Die drei Ökonomen sind Axel Börsch-Supan, Friedrich Breyer und Klaus M. Schmitt. „Wie eine nachhaltige Rentenreform gelingen kann“, so verspricht ihr Kommentar für das Münchener Blatt. Der Großteil des Textes ist jedoch eine Kritik am derzeitigen Status Quo. An dem die Ampel-Koalition aus Sicht der Ökonomen wenig ändern will.

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“Land gibt seine Zukunft auf“

Weder das Rentenniveau noch das Renteneintrittsalter will die Regierung im Wartestand antasten, so stellen die drei Ökonomen fest. Und das lasse sich nicht mit dem Ziel vereinbaren, das Land nachhaltig zu modernisieren. Sie verweisen auf den sogenannten Altersquotienten, der sich in den nächsten 15 Jahren sehr zum Nachteil der Rentenversicherung entwickeln werde. Denn bald gehen die Babyboomer in Rente. Stehen heute noch drei Menschen im erwerbsfähigen Alter einem Rentner gegenüber, so werden es bald nur noch zwei sein. Das liege an der steigenden Lebenserwartung sowie an der Tatsache, dass diese Generation nicht für ausreichend Nachwuchs gesorgt habe, der jetzt die Rente finanzieren könne.

Die sogenannte doppelte Haltelinie aber wolle auch die angehende Regierung nicht antasten: folglich soll das Rentenniveau bei 48 Prozent des Durchschnittslohns festgeschrieben werden, der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen sowie das Renteneintrittsalter bis 2031 auf 67 Jahre steigen. Die Rentenversicherung könne das nur finanzieren, indem sie immer mehr Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt ins System pumpt. Seien es jetzt schon 28 Prozent bzw. mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr, müssten diese Zuschüsse im Jahr 2045 schon auf 54 Prozent des Bundeshaushalts klettern: So geht es aus einem Gutachten hervor, das der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums vorgelegt hat.

Hier werden die Ökonomen deutlich: „Ein Land, das mehr als die Hälfte seines Bundeshaushalts für die Alimentierung der Rentenbezieher verwendet, gibt seine Zukunft auf. Denn dann bleibt kein Geld mehr für dringend benötigte Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Klimaschutz“, schreiben sie im Kommentar.

Renteneintrittsalter rauf?

Was die Ökonomen -alle drei für eher wirtschaftsliberale Positionen bekannt- vorschlagen, um das Rentensystem zu reformieren und zukunftsfest zu machen, ist zunächst selbst wenig originell: Das Renteneintrittsalter soll rauf. So solle nach 2031 eine -Zitat- „einfache Regel“ in Kraft gesetzt werden: Die steigende Lebenserwartung der Deutschen solle ins Verhältnis 2:1 auf Lebensarbeitszeit und Ruhestand aufgeteilt werden. So bleibe das aktuelle Verhältnis gewahrt, wonach die Deutschen im Schnitt 40 Jahre arbeiten und 20 Jahre im Altersruhestand verbringen. Wenn die Lebenserwartung um ein Jahr steige, so solle das Renteneintrittsalter um acht Monate angehoben werden: die Zeit im Ruhestand steige dann um vier Monate.

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Ob die Lebenserwartung tatsächlich immer weiter steigt, ist jedoch umstritten, zumal der Lebensdauer biographische Grenzen gesetzt sind. Aktuell kommen etwa 0,05 weitere Jahre pro Jahr hinzu: der Effekt, das Rentenalter nach der vorgeschlagenen Formel anzuheben, könnte gering ausfallen: und damit auch die Entlastung für die Rentenkasse. Ein Grund für die steigende Lebenserwartung ist zudem, dass die Menschen nicht mehr jung sterben: etwa durch vermeidbare Krankheiten. Auch die drei Ökonomen weisen in ihrem Kommentar darauf hin, dass in einigen Industrienationen die Lebenserwartung sogar wieder zurückgehe, etwa in den USA: „Dann würde das Renteneintrittsalter stabil bleiben oder sogar wieder sinken“, schreiben sie. Zudem solle das Rentenalter flexibilisiert werden, sodass Menschen, die länger arbeiten wollen, nicht bestraft werden: Hier bleiben die Vorschläge aber unkonkret.

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