Versicherungsbote: In der jungen Sparte Cyber-Absicherung kommen allmählich die Schäden an. Und der Markt reagiert. Prominentes Beispiel ist sicher der Axa-Konzern, der ankündigte, keine Lösegelder für Datenklau als Versicherungsleistung zu erbringen. Ist das erst der Anfang? Werden weitere Anbieter dem Beispiel folgen?

Anzeige

Dr. Hubert BeckerDr. Hubert Becker... ist Managing Partner bei Instinctif und Experte für Krisenkommunikation.InstinctifDr. Hubert Becker: Das Thema Lösegeld ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Die Kommunikation darüber ist genauso schwierig wie die Frage, ob man Lösegeld zahlen sollte oder nicht. Definitiv kann das nur die ultima ratio sein. Mit Blick auf die Regulatorik und gesetzliche Herausforderungen – Stichwort Geldwäsche und Terrorfinanzierung – rechne ich künftig mit restriktiveren Entscheidungen hierzu. Letztlich ist die Frage, ob man sich auf Lösegeldforderungen einlässt, auch eine Frage der Haltung. Wir haben kommunikativ gute Erfahrungen damit gemacht, hier Rückgrat zu zeigen.
Generell zeigt aber auch unsere Studie „Quo vadis Cyber-Insurance“, dass die Anbieter bei Preisen und Bedingungen einen restriktiveren Weg einschlagen. Der Markt wird zwar weiter wachsen, aber zugleich auch enger werden. Themen wie „Silent Cyber“ und Kumulschäden sind nach wie vor nicht gelöst.

Wie können sich Anbieter positionieren, um erfolgreich am Markt zu werden oder zu bleiben?

Die größten Motivatoren für den Abschluss einer Cyber-Deckung sind weiterhin konkrete Schadenerfahrungen, inzwischen gefolgt von der öffentlichen Berichterstattung über Cyber-Vorfälle. Im Schadenfall brauchen die betroffenen Unternehmen dann schnelle Hilfe. Deshalb sind Assistanceleistungen – also die technische und rechtliche Unterstützung sowie das Krisenmanagement und die Krisenkommunikation – bei Cyber-Vorfällen ein Hauptverkaufsargument für Cyberschutz. Mit einem umfassenden Servicespektrum können sich die Versicherer – aber auch die Vermittler – als kompetente Helfer bei der Lösung von Cyber-Risiken positionieren.

Die Covid-Pandemie wird oft als Digitalisierungstreiber verstanden. Allerdings soll sich durch Homeoffice auch das Cyber-Risiko erhöht haben. Bestätigt das die Instinctif-Studie „Cyber-Insurance 2021“?

Anzeige

Naturgemäß lässt sich der Einfluss der Covid-Krise auf die Nachfrage- und Schadenentwicklung nicht kausal belegen. Aber die Einschätzung der Marktteilnehmer zeigt deutlich, dass sie von einem erheblichen Einfluss der Pandemie bzw. der dadurch verursachten Veränderungen – unter anderem eben auch vermehrtes Homeoffice - auf die IT-Sicherheit ausgehen. So sehen rund 70 Prozent der befragten Versicherer und Vermittler einen Einfluss von Covid auf die Schadenentwicklung. Im Vordergrund dürfte vor allem der deutliche Digitalisierungsschub stehen, der in vielen Branchen die Risikoexposition erhöht hat.
Das schlägt sich offenbar auch in der Nachfrage nach Cyber-Deckungen nieder. 76 Prozent der Versicherer und 89 Prozent der Vermittler gehen davon aus, dass durch Covid die Nachfrage gestiegen ist.

Seite 1/2/