Nach der Flutkatastrophe von Mitte Juli hatte der GDV vor drei Wochen seine vorläufige Schadenschätzung nach oben korrigiert. Ursprünglich war der Verband von Schäden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro ausgegangen. „Wir gehen jetzt von versicherten Schäden zwischen 4,5 Milliarden und 5,5 Milliarden Euro aus“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen Ende Juli. In dieser Schätzung seien neben den Schäden aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen jetzt auch Zahlen aus den anderen betroffenen Bundesländern, darunter Bayern und Sachsen, enthalten.

Während die Zahl der gemeldeten Schäden auf rund 190.000 gestiegen ist, hätten die Versicherer inzwischen Vorschüsse in Millionenhöhe überwiesen. Das berichtet der GDV in einer aktuellen Meldung. „Die Unternehmen haben bislang Vorschüsse in Höhe von rund 700 Millionen Euro an ihre Kunden ausgezahlt“, sagte Asmussen, am Mittwoch in Berlin. „Davon entfallen gut 500 Millionen Euro auf Schäden im privaten Bereich wie Wohngebäude, Hausrat und Kraftfahrzeuge sowie knapp 200 Millionen Euro auf gewerbliche Risiken.“

Von den rund 190.000 gemeldeten Schäden seien 160.000 auf den privaten und 30.000 auf den gewerblichen Bereich entfallen. Nordrhein-Westfalen sei mit rund 135.000 Schadenfällen betroffen, davon 21.000 gewerbliche Risiken. In Rheinland-Pfalz seien rund 33.000 Schäden gezählt worden, davon 4.000 gewerbliche Risiken. Die übrigen rund 20.000 Schadenfälle seien auf das weitere Bundesgebiet, vor allem auf die Länder Bayern und Sachsen, entfallen.

Kunden sollten über ihren Versicherungsschutz nachdenken

In einem Interview mit dem BaFinJournal hat BaFin-Exekutivdirektor Frank Grund nun noch einmal deutlich konkreter Zahlen genannt. Vorab hatte die Finanzaufsicht die rund 150 deutsche Schaden- und Unfallversicherer und 28 Rückversicherer nach der geschätzten Schadenbelastung im Worst Case befragt. Demnach erwarteten die Erstversicherer im schlimmsten Fall einen Schaden von rund 5,7 Milliarden Euro. Davon seien etwa vier Milliarden Euro rückversichert. "Wenn man diesen Betrag abzieht, liegt die erwartete Nettoschadenbelastung in der Sparte Verbundene Wohngebäudeversicherung bei etwa 0,7 Milliarden Euro, in der Verbundenen Hausratversicherung bei rund 0,2 Milliarden und in der Kraftfahrtkaskoversicherung bei etwa 0,2 Milliarden Euro.", sagte Grund. Die restliche Summe von knapp einer halben Milliarde Euro würde sich auf weitere Versicherungszweige wie die Sturm- und die Betriebsunterbrechungsversicherung verteilen. heißt es weiter.

Zudem mahnte Grund den oft fehlenden Versicherungsschutz an. Denn nicht einmal die Hälfte der betroffenen Immobilienbesitzer und Unternehmer hätten eine Elementarschadenversicherung gehabt. Dabei hätten Unwetter "noch einmal auf schmerzliche Weise gezeigt, wie wichtig es für Menschen und Unternehmen ist, ausreichend versichert zu sein.", so der Aufseher. Mit entsprechendem Schutz könne zumindest materieller Schaden aufgefangen werden. "Dass nur so wenige versichert sind, liegt aber nicht, wie man vermuten könnte, an den Versicherern.", erklärte Grund.

Der Frage "Stimmt es also nicht, dass Menschen und Unternehmen in überflutungsgefährdeten Regionen ihre Immobilien nicht gegen Elementarschäden versichern können?" entgegnete der BaFin-Exekutivdirektor, dass dies oft angenommen wird. Auch dürfte in den überflutungsgefährdeten Regionen der Anteil der versicherbaren Gebäude niedriger sein als im Durchschnitt und die Tarife im Durchschnitt höher. "Aber Kunden sollten die Überflutungen auf jeden Fall zum Anlass nehmen, über ihren Versicherungsschutz nachzudenken. Wer eine Wohngebäude- und Hausratversicherung abgeschlossen hat, sollte prüfen, ob sie einen entsprechenden Schutz bietet.", rät Grund. Den Gewerbetreibenden legte Grund eine Betriebsunterbrechungsversicherung nahe.