Hintergrund: Viele Produkte der Lebensversicherung (LV) mit Überschussbeteiligung stecken aufgrund des Niedrigzins in der Krise. Denn Überschüsse lassen sich durch den Niedrigzins immer weniger erwirtschaften, so dass insbesondere die Kapitalbildende Lebensversicherung (KLV) immer mehr an Bedeutung verliert (Versicherungsbote berichtete). Nur noch 7,2 Prozent vom Neugeschäft macht die KLV in 2019 aus (Versicherungsbote berichtete).

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Etwas besser ergeht es der Rentenversicherung – diese macht immer noch 22,2 Prozent aus und ist so auf Rang drei des Neugeschäfts (Hinter index- und fondsgebundenen Policen auf Rang eins und Kollektivversicherungen auf Rang 2). Allerdings muss auch beachtet werden: Lebensversicherer weisen auch eigenständige Biometrieprodukte wie die Berufsunfähigkeitsversicherung in ihren Geschäftsberichten unter den „Rentenversicherungen“ aus – und solche haben in der deutschen Vorsorgelandschaft noch immer ihre zentrale Bedeutung (Versicherungsbote berichtete).

Heterogenes Produktfeld betroffen

Allgemein gilt: Spricht man von LV mit Überschussbeteiligung, fallen ganz verschiedene Produkte darunter, die sich auch verschieden gut gegen den Niedrigzins behaupten. Dennoch zeigt ein Rückgang der Einnahmen zumindest für einen Teil der Produkte eine Krise und eine Marktkorrektur.

Größter Holzklotz am Bein der Unternehmen sind alte Klassik-Bestände: durch den Niedrigzins und hohe garantierte Zinsen aus der Vergangenheit sind sie für Versicherer teuer gewordenen. Allein zehn der 77 Versicherer, die mit LV mit Überschussbeteiligung ihr Geschäft machen, sind mit der externen und internen Abwicklung der Klassik-Bestände beschäftigt – und verzichten ganz aufs Neugeschäft (Versicherungsbote berichtete). Dies gilt es im Folgenden bei Deutung der Daten zu beachten: Abnehmende verdiente Bruttobeiträge sprechen auch von einem Abbau teurer Altbestände.

Zugleich aber sind Lebensversicherungen mit Überschussbeteiligung keineswegs nur „von gestern“: Produkte der „Neuen Klassik“ versuchen, dem Niedrigzins Herr zu werden – Garantien werden reduziert oder gar nicht mehr ausgesprochen, um Kundengelder lukrativer anlegen zu können. Freilich muss ein großer Teil der Kundengelder auch bei Produkten der "Neuen Klassik" im Sicherungsvermögen (bzw. dem Deckungsstock) der Lebensversicherer angelegt werden: Der Kampf um immer neue Produkte ist ein Kampf gegen den Niedrigzins, der sich manchmal wie der berüchtigte Kampf gegen Windmühlen ausnimmt. Andererseits sind in den Zahlen zur LV mit Überschussbeteiligung noch immer wichtige Vorsorge-Produkte für den Versicherungsnehmer enthalten.

Bei 23 Gesellschaften erhöht sich der prozentuale Anteil im Bestand

Die Zahlen sind demnach widersprüchlich: zwar verkleinert sich branchenweit der Anteil der LV mit Überschussbeteiligung am Gesamtbestand von 68,6 Prozent in 2019 auf 67,0 Prozent in 2020. Auch gehen verdiente Bruttoprämien zurück von 67,36 Milliarden Euro auf 66,13 Milliarden Euro – der Bedeutungsgewinn von Fonds- und Indexpolicen gegenüber den LV mit Überschussbeteiligung wird im Vergleich von Kennzahlen deutlich. Aber bei 23 von 77 Versicherern erhöhte sich sogar der Anteil der Produkte mit Überschussbeteiligung am Gesamtbestand.

Zudem darf ein Verringern der Bruttoprämien keineswegs nur als Misserfolg gedeutet werden, weil ein erfolgreiches Abwickeln von Altbeständen (und damit eine Bestandsverkleinerung) durch viele Lebensversicherer angestrebt wird. Demnach braucht es weitere wichtige Kennzahlen, um über Erfolg und Misserfolg der Versicherer zu urteilen.

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Die Bildstrecke des Versicherungsboten stellt jene Unternehmen vor, deren verdiente Bruttoprämien am meisten zwischen 2019 und 2020 abnahmen (in absoluten Zahlen). Die Kennzahlen sind dem aktuellen MAP-Report 919 entnommen – dieser kann mit weiteren Ausgaben des Traditionsratings auf der Webseite von Franke und Bornberg bestellt werden.