Der Kfz-Markt: hart umkämpft

Der Vergleich von Kennzahlen ist für kaum einen Versicherungsbereich so spannend wie für die Kfz-Branche. Denn hart umkämpft ist der Markt – insbesondere in der sogenannten „Wechselsaison“ des Herbstes bis zum 30. November tobt ein jährlicher Preiskampf, bei dem sich Anbieter mit günstigen Tarifen gegenseitig unterbieten (Versicherungsbote berichtete).

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Gleichzeitig klagen die Anbieter über immer höhere Schadenaufwendungen. Zwar hilft eine zunehmende Automatisierung der Fahrzeuge mit modernen Assistenzsystemen, menschliche Fahrfehler auszugleichen und dadurch Unfälle und Schaden zu reduzieren. Kommt es jedoch zum Schaden, führt die neue Technik oft zu hohen Reparaturkosten, so dass trotz geringerer Unfallzahlen die Schadenaufwendungen der Versicherer Jahr um Jahr ansteigen (Versicherungsbote berichtete).

Wie aber bewährte sich die Branche in 2019 unter solchen Bedingungen? Antworten darauf gibt der soeben erschienene „Branchenmonitor Kfz-Versicherung 2014-2019“, eine Analyse von Jahresabschlusskennzahlen der jeweils 50 größten Versicherungsunternehmen durch die V.E.R.S. Leipzig GmbH in Kooperation mit dem Marktforscher Sirius Campus.

2019: Das Ende der Verschnaufpause

Die Ergebnisse der Vorjahre waren zunächst widersprüchlich. 2017 lief für die Branche schlecht: der Markt musste eine durchschnittlichen Combined Ratio (CR) von 100,21 Prozent – über den Durchschnitt aller 50 Unternehmen hinweg – für den Zweig „Kraftfahrt gesamt“ hinnehmen. Prämieneinnahmen reichten im Schnitt nicht aus, um Schadenaufwendungen und Verwaltungskosten zu decken.

In 2018 aber klärte sich die Stimmung des Marktes auf: Auf auskömmliche 97,11 Prozent wurde nun die wichtige Kennzahl für den Geschäftserfolg – über den Durchschnitt aller Unternehmen hinweg – gedrückt. Auch schrieben damals nur dreizehn von 50 Unternehmen rote Zahlen.

Und im zurückliegenden Jahr 2019? Konnte die Branche ihre gute Bilanz wiederholen? Sie konnte nicht.

Schadenaufwendungen steigen erneut

Das zeigt sich bereits daran, dass nun – in 2019 – wieder mehr Unternehmen rote Zahlen schreiben müssen: 21 Unternehmen beklagen eine Schaden-Kosten-Quote bzw. Combined Ratio von über 100 Prozent (und damit fast jeder zweite Kfz-Versicherer). Begründet ist dies durch einen deutlichen Anstieg der Schadenaufwendungen, wie Clemens Wilde, Autor des Branchenmonitors, herausstellt.

Der Branchenmonitor zeigt den fünften Anstieg in Folge seit 2014: Damals lagen die durchschnittlichen Schadenaufwendungen noch bei 325,55 Mio. Euro. Im Jahr 2018 hingegen lagen die durchschnittlichen Schadenaufwendungen bereits bei 382,52 Mio. Euro.

In 2019 sind die Schadenaufwendungen nun erneut gegenüber 2018 angestiegen: auf 403,07 Millionen Euro. Ein nochmaliger Anstieg um rund fünf Prozent. Die durchschnittliche CR über alle 50 Unternehmen hinweg freilich konnte gerade noch unter der 100-Prozent-Marke gehalten werden: Sie liegt in 2019 bei 99,24 Prozent.