„Das Geschäftsmodell der Versicherer ist nicht für künstlich erzeugte Zinsen gemacht“, sagte Allianz-Chef Oliver Bäte bereits vor zwei Jahren (Versicherungsbote berichtete). Nicht erst seitdem ringen Aufsicht, Gesetzgeber und Anbieter um Lösungen.
Eine Senkung des Höchstrechnungszinses (Garantiezins) wurde von der Deutschen Aktuarvereinigung vorgeschlagen, um Versicherer zu entlasten. Die BaFin hat sich dieser Forderung angeschlossen. Nur vom zuständigen Finanzministerium war keine Entscheidung zum Höchstrechnungszins 2021 zu bekommen. Zuletzt berief sich das ‚Versicherungsjournal’ auf BMF-Staatssekretär Jörg Kukies, der bestätigte, dass der Höchstrechnungszins 2021 bei 0,9 Prozent bleibt.

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Mitte Oktober schaltete sich BaFin-Präsident Felix Hufeld auf einer Tagung der Süddeutschen Zeitung (SZ) in die Debatte ein und appellierte an die Versicherer, sehr genau abzuwägen, welche Garantiehöhe sie anbieten, „und zwar unabhängig davon, ob und wann der Verordnungsgeber den Höchstrechnungszins ändert“, zitiert die SZ Hufeld. Im Rahmen eines ordnungsgemäßen Risikomanagements müssten sich die Unternehmen ohnehin damit auseinandersetzen, welchen Garantiezins sie im Neugeschäft offerieren könnten. „Der Höchstrechnungszins ist keine Verpflichtung – auch nicht im Wettbewerb", so Hufeld auf der SZ-Tagung.

Erschreckende Zahlen für Neuverträge

In diese Debatte platzt nun eine Meldung der Wirtschaftszeitung ‚Euro am Sonntag‘. Deren Tenor: „Sinkender Garantiezins vertieft Minus-Renditen“. Vom Policenaufkäufer Partner in Life ließ sich das Wirtschaftsblatt ausrechnen, was passieren würde, wenn man heute weniger als 20.000 Euro in eine private Rentenversicherung investiert. Die Zahlen sind erschreckend: Im Durchschnitt würden Neuverträge ein Minus von jährlich 0,35 Prozent erwirtschaften. Bei größeren Summen gäbe es ein Minus von 0,30 Prozent. Verträge von Kleinsparern wären also stärker betroffen, weil kleine Summen mit relativ höheren Kosten belastet sind und der Zinseszinseffekt geringere Auswirkungen hat.

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Gerechnet wurde mit einem Garantiezins von 0,5 Prozent. Die errechneten Werte beziehen sich auf den Sparteil (Einzahlung abzgl. Kosten). Tatsächlich liegt die Verzinsung höher, weil die Kunden je nach Produkt zusätzliche Gewinnanteile erhalten. Im Branchenschnitt betrug die laufende Verzinsung für Neuverträge zuletzt 2,23 Prozent.

  • BaFin zur Lebensversicherung: „Höchstrechnungszins ist keine Verpflichtung“
  • Verunsicherte Kunden