Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende entgegen – auch für die Versicherungsbranche. Übereinstimmend haben Versicherer, Assekuradeure und Makler sich in den letzten Monaten über den Stand der Digitalisierung in ihren Unternehmen geäußert – 2021 soll es damit zügiger als bisher vorangehen. Greifbare Pläne gab es aber dennoch selten zu bestaunen. Es ist zu erwarten, dass hauptsächlich Geschäfts- und IT-Prozesse und eine Modernisierung der IT -Landschaft im Fokus der Versicherer steht. Die Lehre aus der gegenwärtigen Situation sollte eine andere sein: Die Produkte der Versicherungsindustrie müssen digital, zumindest digitaler werden, um weiterhin den Kunden zu erreichen.

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Maximilian ConradMaximilian Conrad...arbeitet bei ELEMENT als Senior Key-Account-Manager.Was Insurtechs in diesem Zusammenhang bieten können und im nächsten Jahr verstärkt zur Marktreife bringen werden, sind digitale Versicherungslösungen, die kaum Erklärung bedürfen. Solche einfachen Produkte, mit den entsprechenden virtuellen Abschlussstrecken, werden genau auf die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen angepasst sein. Digitale Vertriebswege – in welcher Kombination auch immer – werden dabei den physischen Kontakt mit dem Kunden für einfache Produkte ersetzen. Diese Entwicklung wird sich maßgeblich auf die Kundenschnittstellen auswirken.

Zielgruppen: Millennials und Babyboomer

Für die Versicherungsbranche spielen die digitalen Daten, die Zielgruppen einbringen, die größte Rolle. Data Analytics wird zukünftig entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf den Versicherungsbetrieb einwirken. Dienlich werden Daten auch für den digitalen Vertrieb sein und hier das Neu- und Bestandskundengeschäft stabilisieren. Denn ein speziell zugeschnittenes Portfolio an Versicherungslösungen für individuelle Lebenssituation kann aufgrund dieser Datenmengen für verschiedene Zielgruppen entwickelt werden. Doch dafür brauch es die richtigen technischen Voraussetzungen.

Insurtechs können in der Datenauswertung eine entscheidende Rolle spielen. Anstatt in aufwendigen Prozessen neue IT-Strukturen zu schaffen, können traditionelle Versicherer in Kooperationsmodellen vom Know-How der Insurtechs profitieren. Wer jetzt auf diesen Weg setzt kann einen konkreten Wettbewerbsvorteil erzielen, da zum einen Daten in Echtzeit ausgewertet werden können und Trends im Markt erkennbar werden. Zum anderen, werden mit diesem Wissen Abschlussstrecken so gestaltet werden können, dass sie maximale Kundenzufriedenheit produzieren. Die Digitalisierung ist als kein Selbstzweck der Versicherer, mit der sich lediglich Kosten senken lassen.

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Eine Zielgruppe von Versicherern und Insurtechs gleichermaßen sind Millennials. Diese jüngere Zielgruppe – eben jene, die sich jetzt für Versicherungsprodukte interessiert – birgt dabei in vielerlei Hinsicht neues Potential für die Produktentwicklung. Die Kundenbindung gelingt bei Millennials über maximal individualisierte Produkte, die eine digitale Optimallösung abbilden. Durch die Prägung von GAFA sind Millennials das bereits gewöhnt. Diese Zielgruppe erwartet einfach, dass sie Produkte online kaufen und alle Vertragsänderungen mit nur wenigen Klicks vornehmen kann.