Die Haftpflichtkasse, bis 2017 als „Haftpflichtkasse Darmstadt“ (HKD) bekannt, ist ein mittelständischer Versicherer, der bei Versicherungsmaklern einen guten Ruf genießt. Eigentlich, denn aktuell droht sie viel gewonnenes Renommee zu verspielen. Anlass ist erneut der Streit um Betriebsschließungsversicherungen und die Coronakrise. Die Hessen müssen sich nicht allein den Vorwurf gefallen lassen, ihre Kundinnen und Kunden hängen zu lassen - sondern diese regelrecht getäuscht zu haben.

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Webseite des Versicherers: „Coronavirus mitversichert“!

Der Hintergrund: Auch Die Haftpflichtkasse weigert sich, Hoteliers und Gastronomen im Rahmen von Betriebsschließungs-Policen zu entschädigen, wenn sie aufgrund des Corona-Lockdowns ab Mitte März schließen mussten: zumindest über jene 15 Prozent der versicherten Summe hinaus, die im sogenannten Bayrischen Kompromiss vereinbart wurden. Den vollen Betrag aber will der Versicherer nicht erstatten. Gegenüber dem Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) äußerte der Versicherer bereits, dass präventive Maßnahmen von Behörden nicht in ihren Policen mitversichert seien.

Aktuell aber informiert die Rechtsanwaltskanzlei Wilhelm Rechtsanwälte darüber, dass der Versicherer noch Anfang März eine Deckungszusage für das neue Coronavirus zugesichert hat, nachdem dieses im Januar vom Bundesgesundheitsministerium als meldepflichtige Krankheit in das Infektionsschutzgesetz (IfSG) aufgenommen worden war.

Wörtlich teilte die Haftpflichtkasse auf ihrer Webseite damals mit: „Am 01.02.2020 wurde der Coronavirus als meldepflichtige Krankheit im IfSG mit aufgenommen. Da wir u.a. Krankheiten nach §§ 6 und 7 des IfSG versichert haben, gilt eine Betriebsschließung durch eine Behörde aufgrund des Coronavirus im Rahmen unserer Bedingungen als mitversichert.“. Diese Zusage sei später wieder gelöscht wurden (Siehe Screenshot).

Auf ihrer Webseite soll Die Haftpflichtkasse noch Anfang März damit geworben haben, dass das neue Coronavirus COVID-19 im Rahmen der Betriebsschließungsversicherung mitversichert seiScreenshot Die Haftpflichtkasse

Doch damit nicht genug. Wortgleich seien zu Beginn des Monats März schriftliche Aussagen durch verschiedene Sachbearbeiter der Haftpflichtkasse gegenüber Versicherungsmaklern erteilt worden. Zu diesem Zeitpunkt aber war noch nicht abzusehen, dass bald schon ein nie dagewesener Lockdown die deutsche Wirtschaft lahm legen sollte. Erst als klar geworden sei, dass es zu flächendeckenden Schließungen von Restaurants, Gaststätten und Hotels kommen würde, habe sich die Kommunikation des Versicherers um 180 Grad gewendet - seitdem lehne der Versicherer eine Übernahme der Kosten rigoros ab, berichtet die Anwaltskanzlei.

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Die Düsseldorfer Juristen beklagen darüber hinaus, dass die Haftpflichtkasse kein Entgegenkommen zeige: Gespräche über den Versicherungsschutz seiner Kunden lehne der Vorstand seit der Kehrtwende ab. Aber auch ihre Vertriebspartner droht die Haftpflichtkasse zu verschrecken. Denn in Maklergruppen und -foren wird die harte Haltung der Haftpflichtkasse ebenfalls scharf kritisiert, wie Recherchen des Versicherungsboten zeigen. Die Reaktionen auch hier: teils Wut und Unverständnis.

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