Die Allianz weigert sich, nach Unfallschäden den Werkstätten zusätzliche Kosten infolge der Coronakrise zu zahlen. Das berichtet das Versicherungsjournal am Montag. Demnach würden sich Werkstätten massiv über den Münchener Versicherer beschweren.

Anzeige  

 

Coronamaßnahmen „keine erforderlichen Kosten“

Das Magazin beruft sich auf ein Schreiben des Prüfdienstes Controlexpert, bei dem die Allianz seit Anfang März Mehrheitseigentümer ist. Demnach seien Desinfektionsmaßnahmen im Innenraum des Autos keine erforderlichen Kosten im Sinne des § 249 BGB. Die Begründung überrascht: „Eine Ansteckung durch Oberflächenkontakt halten Virologen für extrem unwahrscheinlich und empfehlen übervorsorglich das Waschen der Hände“, zitiert das Versicherungsjournal aus dem Schreiben.

Diese Interpretation hat die Allianz-Tochter aber ziemlich exklusiv. So weist etwa das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite darauf hin, dass eine „Übertragung durch kontaminierte Oberflächen“ insbesondere „in der unmittelbaren Umgebung des Infizierten“ nicht auszuschließen sei. Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeughandwerks (ZDK) empfiehlt sogar, bei der Reparatur Schutzfolien im Cockpit einzusetzen und alle Flächen wie Lenkrad, Schalthebel oder Sitze zu desinfizieren.

Im Zweifel gefährdet das Vorgehen der Allianz die Gesundheit der Autofahrer, wenn Werkstätten aus Kostengründen auf die Corona-Desinfektion verzichten. Andere Autoversicherer zahlen den Dienstleistern zumindest eine Pauschale für zusätzliche Desinfektionskosten, berichtet das "Versicherungsjournal": die HUK-Coburg zum Beispiel 45 Euro für die Corona-Hygiene, das Servicenetzwerk SPN, an dem neben der Allianz zum Beispiel auch die ADAC Versicherung und Sparkassen-Versicherer beteiligt sind, immer noch 25 Euro.

Anzeige  

 

Verwunderlich ist das Vorgehen auch, weil die Autoversicherer in der Coronakrise Schadenkosten sparen: Weil weniger Autos unterwegs sind, passieren auch weniger Unfälle. Frank Sommerfeld, Chef der Sachversicherung bei der Allianz Deutschland, hat deshalb bereits angekündigt, die eingesparten Kosten an Kundinnen und Kunden weitergeben zu wollen (der Versicherungsbote berichtete).