Mit dem sogenannten Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung geht es sehr wahrscheinlich weiter bergab. Zum Jahresanfang 2021 soll er für Neuverträge von 0,9 Prozent auf höchstens 0,5 Prozent gesenkt werden, so schlägt die Deutsche Aktuarvereinigung vor: möglicherweise sogar auf 0,25 Prozent. Oft folgt die Politik den Empfehlungen der Versicherungsmathematiker. Zustimmen müssen einem solchen Schritt das Bundesfinanzministerium und der Bundesrat, so sieht es die Deckungsrückstellungsverordnung vor (§ 5 DeckRV).

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Das veranlasst nun die Versicherungswirtschaft, die Bruttobeitragsgarantie bei den Riester-Renten und in der betrieblichen Altersvorsorge in Frage zu stellen. Diese soll nun auf 80 Prozent gedrückt werden, statt dem Kunden volle 100 Prozent des Beitrages + Zulagen garantieren zu müssen.

Grundlage der Forderung sind aktuelle Modellrechnungen des Kölner Infinma Institutes, die im aktuellen Newsletter der Domstädter präsentiert werden. „Vor allem bei Riester-Produkten und in der betrieblichen Altersvorsorge wird man wohl um eine Reduzierung der Beitragsgarantie nicht herum kommen“, heißt es darin. Über die Studie berichtet am Dienstag das Versicherungsjournal.

Auswirkungen der Rechnungszins-Absenkung vorgerechnet

Infinma untersucht in dem Newsletter, wie sich ein niedrigerer Höchstrechnungszins auf Leben-Verträge auswirken würde. Dafür wird eine gemischte Kapitalversicherung mit gleichhoher Todes- und Erlebensfallsumme betrachtet. Variiert werden hierbei die Abschlusskosten als auch der Rechnungszins. Dabei fällt jedoch auf, dass zugleich enorm hohe Verwaltungskosten eingerechnet werden. Vier Prozent der Beitragssumme werden für die Verwaltung der Verträge eingerechnet, während der Branchenschnitt laut Map-Report aktuell bei 2,24 Prozent liegt. Hinzu gesellen sich 36 Euro an Stückkosten pro Jahr.

Die erste Modellrechnung zeigt die garantierten Ablaufleistungen für eine 30-jährige versicherte Person bei unterschiedlichen Rechnungszinsen und Abschlusskosten. Die Jahresprämie liegt bei 3.000 Euro. Schon unter einem Prozent Rechnungskosten reichen alle veranschlagten Kombinationen nicht mehr aus, um mindestens die Summe zu erwirtschaften, die der Kunde bzw. die Kundin an Beitrag gezahlt hat (siehe Grafik).

Garantierte Ablaufleistungen für eine 30-jährige versicherte Person bei unterschiedlichen Rechnungszinsen und Abschlusskosten. Jahresprämie 3.000 Euro, Verwaltungskosten 4 %, Stückkosten 36 Euroinfinma.de

Noch verheerender wird die Bilanz, wenn die gleichen Berechnungen für eine 55- jährige versicherte Person und mit einer Laufzeit von 12 Jahren angestellt werden. Dabei helfe es auch kaum weiter, die Abschluss- und Verwaltungskosten zu senken, geben die Aktuare zu bedenken. Selbst ohne Stückkosten und mit zwei Prozent Abschluss- und Verwaltungskosten werde mit 31.812 Euro nach zwölf Jahren die Beitragssumme von 36.000 Euro deutlich verfehlt. Nicht einmal der vollständige Verzicht auf Abschlusskosten oder die Honorarberatung würden dazu beitragen, dass die Versicherer die Bruttobeitragsgarantie stemmen können.