Wer ein auskömmliches Alterseinkommen haben will, kann sich in Deutschland nicht allein auf die gesetzliche Renten verlassen. Das zeigen aktuelle Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV), auf die zuerst das Versicherungsjournal aufmerksam gemacht hat. Demnach erhielten die rund 18,25 Millionen Altersrentnerinnen und -rentner im Jahr 2018 durchschnittlich 906 Euro Rente pro Monat. Während Männer immerhin 1.148 Euro Monatsrente erzielen, bekommen Frauen im Schnitt nur 711 Euro überwiesen (Werte gerundet).

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45 Beitragsjahre — 1.130 Euro Durchschnittsrente

Die sogenannte Regelaltersrente fällt sogar noch niedriger aus. Sie erhält, wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und zudem die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt. Wer diese Bedingungen erfüllen konnte, erhielt 2018 im Schnitt 638 Euro Altersrente. Insgesamt erfüllten 7,68 Millionen Ruheständler diese Voraussetzungen. Hier gilt es zu bedenken, dass das reguläre Renteneintrittsalter seit einer Gesetzreform schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben wird. Während Männer im Schnitt 848 Euro monatlich bekamen, erhielten Frauen nur knapp 497 Euro.

Mehr als das Doppelte erhalten immerhin jene, die einen Anspruch auf „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ erworben haben: Sie erzielten im Schnitt 1.311 Euro Monatsrente. Hierfür müssen die Ruheständler stark vereinfacht 45 Beitragsjahre zur Rentenkasse vorweisen und die Regelaltersgrenze erreicht haben. Mit einer Einschränkung: Seit dem 1. Juli 2014 kann die Altersrente bereits mit 63 Jahren ohne Abschläge in Anspruch genommen werden. Auch die „Rente mit 63“ wird jedoch schrittweise raufgesetzt: Für angehende Rentner, die 1964 geboren sind, ist der abschlagsfreie Übergang in die Rente erst mit 65 Jahren möglich.

Auffallend ist aber zugleich, dass die Bedingung „45 Beitragsjahre“ nur ein Bruchteil der Altersrentner überhaupt erfüllen kann. Lediglich 1,16 Millionen Rentner hatten 2018 Anspruch auf die Rente für besonders langjährige Versicherte erworben. Das sind weniger als 6,4 Prozent aller Altersrentner. Brüche in der Erwerbsbiographie, Zeiten der Arbeitslosigkeit sowie die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit für Erziehung und Pflege fordern hier ihren Tribut.

Rentenbestand "Rente wegen Erwerbsminderung" und "Rente wegen Alters" zum Stichtag 31.12.2018. Es fehlen die Rubriken "Renten wegen Todes" und "Renten nach SGB VI".Deutsche Rentenversicherung

Etwas mehr Menschen, nämlich knapp 1,95 Millionen, erhalten die „Altersrente für langjährig Versicherte“. Hierfür müssen die Ruheständler nur 35 Beitragsjahre zur Rentenkasse vorzeigen. im Schnitt bekamen sie 1.116 Euro pro Monat ausgezahlt. Auch für diese Rentenart wird die Regelaltersgrenze schrittweise angehoben: Ab dem Geburtsjahrgang 1964 liegt sie bei 67 Jahren. Wer dieser Alterskohorte angehört und schon mit 63 Jahren in Rente gehen will, muss laut DRV Abschläge von bis zu 14,4 Prozent bei der Monatsrente akzeptieren.

"Altersrente für Frauen" - magere 871 Euro

Wie stark speziell weibliche Beschäftigte von niedrigen Renten bedroht sind, zeigt die Rubrik „Altersrente für Frauen“. Wer sie in Anspruch nehmen will, muss strenge Kriterien erfüllen. Erstens muss die Frau vor dem 1.1.1952 geboren sein, diese Rentenart wird also gerade über das biologische Alter schrittweise abgeschafft. Zweitens muss die Bezieherin das 60. Lebensjahr vollendet haben, mehr als zehn Jahre Pflichtbeiträge nach Vollendung des 40. Lebensjahres geleistet haben sowie darüber hinaus eine Wartezeit von 15 Jahren erfüllt.

Trotz dieser strengen Vorgaben ist die „Altersrente für Frauen“ aktuell die Rentenart mit den meisten Leistungsbeziehern bzw. - in diesem Fall - Bezieherinnen. Immerhin 3,55 Millionen Damen hatten Anspruch darauf. Und sie erhielten im Schnitt nur 871 Euro pro Monat.

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Verantwortlich für den Rückstand der Frauen sind in erster Linie Unterschiede beim sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) aus dem Jahr 2017. Im Schnitt verdienen Arbeitnehmerinnen deutlich weniger als Arbeitnehmer - unter anderem, weil sie öfter in schlecht bezahlten Berufen tätig sind, seltener in Führungspositionen gelangen und häufiger in Teilzeit arbeiten. Folglich erwerben sie auch weniger Ansprüche in der Rentenversicherung. Hinzu kommt, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Noch vor Jahren war zudem die Erwerbsbeteiligung von Frauen speziell in den alten Bundesländern deutlich niedriger.