Eine Berufsunfähigkeits-Police sollten die Verbraucher möglichst in jungen Jahren abschließen, wenn die Gesundheit noch top ist und wenig Vorerkrankungen aufgetreten. Umso länger aber muss der Versicherer auch ein verlässlicher Partner sein und eine Rente zahlen können. Vertragslaufzeiten von 40 Jahren und länger sind keine Seltenheit. Diese Ausgangssituation lässt Versicherungsmakler Gerd Kemnitz aktuell danach fragen, wie die BU-Versicherer eigentlich gegen eine mögliche Insolvenz geschützt sind.

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Vierfache Absicherung in Deutschland

Fest steht: Einheitliche EU-Regeln, um den Bestand von Verträgen vor der Insolvenz zu retten, gibt es nicht, wie Kemnitz auf dem Blog seines Maklerbüros berichtet. Dennoch haben die Versicherer Möglichkeiten, einer finanziellen Notlage vorzubeugen, wenn sie ihren Hauptsitz in Deutschland haben. Sie können die Überschussbeteiligung reduzieren und damit an der Höhe der Beiträge schrauben: ohne, dass ein Treuhänder und die BaFin zustimmen müssen.

Hier gilt es aus Sicht der abschlusswilligen Verbraucher, auf den Unterschied von Zahlbeitrag und Tarifbeitrag zu achten: auch bekannt als Unterschied von Netto- und Bruttoprämie. Der Zahlbeitrag ist jener, den ein Kunde aktuell zahlen muss: hierbei sind bereits Kapitalgewinne aus den erwirtschafteten Überschüssen im Sinne der Versicherten eingerechnet. Das ist auch jene Prämie, mit der die Kunden im Neugeschäft oft angelockt werden, die aber bis auf den Bruttobeitrag anwachsen kann.

Der Tarifbeitrag bzw. Bruttobeitrag ist hingegen jener Beitrag, auf den die Prämie laut Vertrag maximal klettern kann, wenn sich Überschüsse schlecht entwickeln oder der Versicherer schlecht kalkuliert hat, die Ausgaben für Renten also über Maßen steigen. Zumindest, ohne dass der Versicherer dies extra prüfen lassen muss.

Denn auch der Tarifbeitrag ist nicht wirklich sicher, so berichtet Kemnitz. Entsprechende Ausnahmen sind in § 163 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) formuliert. Demnach muss ein unabhängiger Treuhänder prüfen und urteilen, ob ein Anheben des Tarifbeitrages angemessen und erforderlich ist. Das ist der Fall, wenn sich die zugrundeliegenden Rechnungsgrundlagen „nicht nur vorübergehend und nicht voraussehbar“ geändert haben. „Eine willkürliche Erhöhung des Tarifbeitrags zur Gewinnoptimierung ist damit ausgeschlossen!“

Auch Versicherungsleistungen können betroffen sein

Mit zwei weiteren Maßnahmen können Lebensversicherer auf eine mögliche finanzielle Schieflage reagieren: Haben alle anderen Maßnahmen versagt, kann die BaFin anordnen, dass die Bestände an Protektor überschrieben werden: die Auffanggesellschaft der Privatversicherer. Der Sicherungsfonds wird über Jahresbeiträge der Mitglieder finanziert. Aktuell verfügt Protektor nach eigenen Angaben über Netto-Rückstellungen in Höhe von 1,02 Milliarden Euro. Ob dieses Geld ausreicht, um die Verträge eines großen Lebensversicherers tatsächlich aufzufangen, ist zumindest umstritten.

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Noch schmerzhafter als steigende Beiträge ist Maßnahme Numero 4, die aber eine Art letzte Option darstellt. Laut § 314 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) kann die Aufsichtsbehörde BaFin Leistungspflichten des Konzerns herabsetzen oder sogar zeitlich verbieten, wenn dies notwendig erscheint, um ein Unternehmen vor der Insolvenz zu retten. Besonders bitter: Dies betrifft explizit auch Versicherungsleistungen. "Sicher" ist in diesem Kontext wohl ein relativer Begriff, wenn auch BU-Renten nach § 314 zurechtgestutzt werden können. Dennoch schlussfolgert BU-Experte Kemnitz: "Mit diesen vier Maßnahmen dürfte die Insolvenz eines Lebensversicherers mit Sitz in Deutschland äußerst unwahrscheinlich sein!"