Wenn die gesetzliche Rente angesichts der alternden Bevölkerung stabilisiert werden soll, so werden in der Regel zwei Lösungen vorgeschlagen: Rentenniveau runter oder Steuerzuschüsse und Beiträge rauf. Denn immer weniger Beitragszahler müssen die Renten von immer mehr Ruheständlern finanzieren, was das Umlageverfahren stark belastet. Um die künftigen Ansprüche der Rentner zu erfüllen, müsste der Staat in den kommenden 20 Jahren die Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt auf bis zu 120 Milliarden Euro erhöhen, so rechnet der aktuelle Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung vor.

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Nun kommt die Ratingagentur Scope mit einem Vorschlag um die Ecke, der das Problem lösen soll. Stark vereinfacht gesagt soll Vater Staat zum Super-Börsianer werden. Demnach soll das gesetzliche Umlageverfahren um eine weitere, kapitalgedeckte Säule ergänzt werden. Und zwar um einen kreditfinanzierten Pensionsfonds, ausgestattet mit einem Kapital von gut einer Billion Euro: Eine stolze Summe, denn das sind 1000 Milliarden Euro! Zum Vergleich: BlackRock, der größte private Vermögensverwalter der Welt, verwaltet 5,28 Billionen Euro Vermögen. Die Studie des Analysten Bernhard Bartels kann auf der Webseite des Ratinghauses heruntergeladen werden.

Der Eine-Billion-Euro-Fonds

Ganz neu ist die Idee freilich nicht. Ein ähnlicher Kapitalstock wird bereits mit der „Deutschlandrente“ diskutiert, einem Modell, dass die hessische Landesregierung in die Debatte eingebracht hat (der Versicherungsbote berichtete). Aber das Scope-Modell soll doch etwas anders funktionieren. So sieht die Deutschlandrente vor, dass der Fonds aus freiwilligen Beiträgen der Rentenversicherten finanziert wird, die regelmäßig einzahlen. Auch soll er bei der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV) angesiedelt sein, damit die Verwaltungskosten niedrig bleiben: Dort sind die Renten ja ohnehin geparkt.

Dem entgegen will Scope das Kapital privat managen lassen, wenn auch parlamentarisch kontrolliert. Auch soll das Geld nicht aus freiwilligen Beiträgen stammen, sondern aus anderen Quellen fließen: zu 50 Prozent aus Steuern und zu 50 Prozent aus Schuldverschreibungen, zum Beispiel über Bundesanleihen. Mit anderen Worten: Der Staat finanziert seine Aktiengeschäfte zur Hälfte aus der Staatskasse und zur anderen Hälfte auf Pump.

Der vermeintliche Vorteil aus Sicht des Studienautoren: Bundesanleihen sind bei Investoren aktuell stark nachgefragt. Derzeit vergibt der deutsche Staat 30-jährige Anleihen mit einer Rendite von unter zwei Prozent per annum. "Der Fonds könnte sich auf diese Weise günstig finanzieren und den Kapitalstock innerhalb von 20 Jahren auf mehr als eine Billion Euro heben", sagt Bartels.

Nach den Berechnungen des Analysten könne der Staat dadurch schon beim Kapitalaufbau sparen. Pro Jahr entspräche das einem Aufwand von 34 Milliarden Euro, was einer jährlichen Einzahlung von 1 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) entspräche. Zum Vergleich: Der Steuerzuschuss für das Umlageverfahren im Jahr 2018 lag bei 94 Milliarden Euro.

Der Zeitpunkt, einen solchen Staatsfonds auf Basis von Bundesanleihen zu gründen, sei günstig, gibt der Studienautor weiter zu bedenken. Zur Erinnerung: Aktuell weisen zehnjährige Bundesanleihen Minuszinsen auf. Wer sie als Investor zeichnet, schenkt dem Staat sogar Geld. Ob das allerdings so bleibt, ist zumindest diskutabel. Denn auch der vorgeschlagene Fonds braucht Zeit, bis die ersten Rentner davon profitieren könnten. "Der Fonds darf keine Leistungen vor 2039 erbringen, um den Aufbau des notwendigen Nettovermögens zu ermöglichen", heißt es im Text.

Das Geld soll nicht angefasst werden, bis...

Gleichwohl wird der Fonds aus einem bestimmten Grund aufgebaut: nicht nur als eine Reserve für spätere Rentner. Sondern, damit er es in Fonds und Aktien stecken kann, das Geld also für die zukünftigen Rentner "arbeitet". Selbst bei vorsichtigen Modellrechnungen sei eine jährliche Rendite von vier Prozent drin, rechnen die Autoren vor. Das bedeute Dividenden- und Zinseinnahmen von 400 Milliarden Euro bis zum Jahr 2039, womit sich der Kapitalstock des Fonds auf 1,2 Billionen Euro verbessert hätte. Geld, das dann ins Umlagesystem der Rentenkasse fließen kann.

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Damit das Ganze funktioniert, müssen aber nach Ansicht von Studienleiter Bartels einige Kriterien erfüllt sein: „Auszahlungen dürften erst nach einer mindestens 20-jährigen Ansparzeit erfolgen, die Begünstigten müssen mindestens 67 Jahre alt sein, die Auszahlungen dürften den Kapitalstock nicht verringern und es müsste klare und transparente Auszahlungskriterien geben“, schreibt der Ökonom. Als Vorbild könne der Staatliche Pensionsfonds Norwegens dienen.