„Unter dem Strich können wir mit dem Neugeschäft, der Bestands- und der Ergebnisentwicklung sehr zufrieden sein.“ Dies ist der Satz, mit dem Klaus-Jürgen Heitmann, Chef des fränkischen Versicherers HUK-Coburg, am Mittwoch die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2018 präsentierte. Aufmerksame Leser werden merken, dass dies ein eher nüchternes Fazit ist, wo andere Versicherer mit Rekorden prahlen. Immerhin sagt Heitmann noch: „Das Jahr 2018 verlief rundum positiv für unser Unternehmen. Wie im Vorjahr haben wir zum Teil sogar unsere eigenen Ziele übertroffen.“

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Doch pure Euphorie ist trotz einiger sehr guter Ergebnisse vielleicht fehl am Platz. Zum einen war 2018 auch ein Jahr, das für die HUK auch glücklich verlief: Kaum Hagelschäden waren zum Beispiel in der Kfz-Versicherung zu beklagen, das wirkte sich positiv auf die Schadenskosten aus. Zum anderen gibt es doch auch Baustellen im Konzern bzw. Sparten mit durchwachsenem Ergebnis.

Auf der Haben-Seite können die Franken ein deutliches Plus bei den Beiträgen und dem Gewinn vorzeigen. Die Beiträge kletterten 2018 auf 7,7 Milliarden Euro, ein Plus von 4,2 Prozent. Und der Jahresüberschuss konnte gar um zehn Prozent auf 565 Millionen Euro wachsen. Insgesamt zahlte die HUK brutto 7 Milliarden Euro an ihre Kundinnen und Kunden aus: ähnlich viel wie im Jahr zuvor. Der Jahresüberschuss nach Steuern sank aber von 358 auf 341 Millionen Euro.

Kfz-Versicherung: Marktführerschaft verteidigt

Die Kfz-Versicherung ist für die HUK ein besonderes Prestigeobjekt, ist man doch mit Blick auf die versicherten Autos Deutschlands Nummer eins. Folglich wird im Pressetext die Autoversicherung als „wichtigste Sparte“ ausgewiesen. Auch wenn das Jahresendgeschäft ein wenig ins Stocken geriet und dem Versicherer auch Kunden absprangen, konnten die Franken ihre Marktführerschaft verteidigen — wenn nicht gar ausbauen.

Über 1,3 Millionen neu versicherte Fahrzeuge fahren nun unter dem gelben Burgwappen, wie die HUK berichtet. Damit habe man zum zehnten Mal in Folge mehr als eine Million Fahrzeuge neu versichern können: im Vorjahr sind es noch 1,4 Millionen gewesen. Aufgrund der Abflüsse gewannen die Franken unter dem Strich aber „nur“ 300.000 Fahrzeuge hinzu. Der Bestand wuchs um 2,7 Prozent auf nun 12,0 Millionen versicherte Autos. Die Bruttobeitragseinnahmen in Kfz kletterten um 4,7 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,9).

Positiv ist, dass der Versicherer auch das Verhältnis von Schäden und Kosten verbessern konnte: In einem hart umkämpften Markt. HUK-Chef Heitmann hat mehrfach bereits deutlich gemacht, dass der Versicherer auch Verluste in der Sparte akzeptieren würde, um über den Preis die Konkurrenz auszustechen. Im Vorjahr aber war das nicht nötig: Die kombinierte Schaden-/Kostenquote (brutto) verbesserte sich von 96,0 Prozent in 2017 auf 93,7 Prozent. Hier schreiben die Versicherer Gewinn, wenn sie unter 100 Prozent erzielen. „Der Schadenverlauf war insgesamt von rückläufigen Personenschäden geprägt. Zudem blieb die Elementarschadenbelastung insgesamt niedrig“, berichtet die HUK.

Anders formuliert: Nach der Regulierung des Schäden inklusive eigener Kosten verbleiben der HUK in der Kraftfahrt von 100 Euro Prämie 6,30 Euro als Gewinn. In den letzten Jahren hatte der Versicherer aber wiederholt in den roten Zahlen gesteckt. Heitmann kündigte einen neuen Tarif an: Am 4. April wollen die Franken als einer der ersten Versicherer in Deutschland ein Telematikprodukt für alle Altersgruppen auf den Markt bringen. Hier muss der Versicherte per App Daten zu seinem Fahrverhalten übermitteln, um bei vorsichtiger Fahrweise einen Beitragsnachlass von bis zu 30 Prozent zu erhalten. Bisher sind vor allem Fahranfänger Zielgruppe für Telematik, viele Versicherer legen ein Höchstalter fest.

Kapitalanlagen: Niedrigzinsumfeld wirkt weiterhin negativ

Nicht ganz so positiv sind das Ergebnis im Kapitalanlagegeschäft aus. Zwar hat der Einbruch des Kapitalanlageergebnisses um 29,6 Prozent zunächst einen einfachen Grund: Der Gesetzgeber hat die Lebensversicherer bei der Zinszusatzreserve entlastet. Das ist ein Kapitalpuffer, den die Versicherer ansparen müssen, um die Garantien der Kunden auch langfristig bedienen zu können. Und dieser hatte sich derart aufgebläht, dass die Versicherer schon unter dieser Rücklage ächzten (der Versicherungsbote berichtete). So hat die HUK im letzten Jahr kaum Bewertungsreserven realisiert, das Kapitalanlageergebnis sank von 970,6 auf nun 683,4 Millionen Euro.

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Doch auch die Reform der Zinszusatzreserve kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Trend im Anlagegeschäft eher kein positiver ist. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen sank innerhalb nur eines Jahres von 3,1 auf 2,1 Prozent. Hier hat auch die HUK unter den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt zu leiden.