Die Milliardenpleite des Container-Investors P&R-Gruppe droht für viele Privatanleger zum Desaster zu werden. Die Firma ist in die Insolvenz geschlittert, der Firmengründer Heinz R. muss sich wegen Betruges verantworten. Von den angeblich 1,6 Millionen Containern, die das Unternehmen aus Grünwald bei München besessen haben soll, waren nur circa 618.000 Stück auffindbar. Es spricht vieles dafür, dass schon seit langer Zeit nicht mehr alle neu eingesammelten Gelder in Container investiert wurden, sondern nötig waren, um laufende Forderungen zu begleichen. Viel zu holen ist für die Kundinnen und Kunden da nicht mehr. 54.000 Anleger haben 3,5 Milliarden Euro investiert, das macht die P&R-Pleite zu einem der größten Finanzskandale in der Geschichte der Bundesrepublik.

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Es sei denn, die Geschädigten können einen Vermittler bzw. Bankberater haftbar machen und ihm Falschberatung nachweisen. Dann nämlich muss dessen Vermögensschadenhaftpflicht für den erlittenen Schaden einspringen. Genau ein solches Urteil ist nun vom Landgericht Erfurt ergangen, wie mehrere Anwaltskanzleien und die Verbraucherzentrale Hamburg berichten.

Totalverlustrisiko verharmlost und verschwiegen

Im konkreten Rechtsstreit wendeten sich die Kläger gegen den Geschäftsführer eines Erfurter Finanzdienstleisters, der heute als Finanzanlagenvermittler nach §34f registriert ist. Bereits im Jahr 1992 waren den Geschädigten erstmals Verträge mit den insgesamt vier operativ tätigen P&R-Gesellschaften vermittelt worden. Sie hatten einen sechsstelligen Betrag investiert. Diese Investments wurden zunächst 1999 und 2013 aufgefrischt. Nach der Insolvenz des Geldhauses fordern die Privatanleger Schadensersatz.

Konkret sah das Geschäftsmodell so aus: P&R verkauft Seecontainer an Investoren und Kleinanleger, um sie dann zurückzumieten. Dann boten die Bayern die gemieteten Container wiederum selbst auf dem internationalen Handelsmarkt an und vermieteten sie an große Leasinggesellschaften. Zum einen versprach P&R den Anlegern garantierte Mieteinnahmen, die quartalsweise ausgezahlt wurden. Zum anderen erhielten die Anleger nach fünf Jahren ein Rückkaufangebot für den Container von 65 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises. Insgesamt vier Tochtergesellschaften von P&R waren beteiligt.

Streitgegenstand ist im vorliegenden Urteil nur das Geld aus dem letzten Investment, also von 2013. Doch bereits in früheren Verkaufsgesprächen habe der Vermittler die Anlage als „absolut sicher und verlässlich“ dargestellt, so heißt es nun in der beglaubigten Abschrift des Urteils, die auf der Webseite der Verbraucherzentrale Hamburg einzusehen ist. P&R-Investments seien „das Beste, was es gibt“, so sei den Anlegern versprochen wurden. Explizit hätten die Kläger den Vermittler darauf hingewiesen, dass sie das Investment als Altersvorsorge planen und es weniger auf Rendite ankomme, sondern auf Sicherheit.

Tatsächlich hatten die Klagenden vor Gericht Erfolg. Dem Kläger stünde Schadensersatz zu, weil der Finanzdienstleister „die ihr obliegenden Auskunftspflichten bei der Vermittlung der Kauf- und Verwaltungsverträge mit den P&R-Gesellschaften schuldhaft verletzt hat“, betonte das Landgericht Erfurt. Es berief sich dabei auf § 280 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

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Als die Anleger 2013 erneut den Rat des Anlagevermittlers suchten, sei es stillschweigend zu einem Auskunftsvertrag gekommen, begründeten die Richter ihr Urteil. Dabei hätten sich die Anleger darauf verlassen können, dass der Vermittler aufgrund seiner Sachkunde zu einer „vollständigen und richtigen Auskunft“ über das Anlageprodukt verpflichtet gewesen sei. Diese Auskunftspflichten hätte der Beklagte verletzt, indem er über Risiken des Anlagemodells nicht aufgeklärt habe.