Wer wissen will, was ein Nebenberufsvertreter der Allianz so macht, wird im Netz schnell fündig. „Allianz Blau“ heißt das Magazin für den Innen- und Außendienst, in dem die Vermittler im Nebenberuf von ihrer Arbeit berichten und das auch online verfügbar ist. Da gibt es zum Beispiel einen syrischen IT-Studenten und Programmierer, der via Social Media syrische Flüchtlinge über Versicherungen in Deutschland aufklärt. Oder einen Autohaus-Besitzer, der Kfz-Policen anbietet. Ob im Sportverein, bei der Feuerwehr, beim Tierschutz oder an der Uni: an vielen Orten sind derartige Nebenberufsvertreter aktiv und sprechen die Menschen auf Versicherungen des blauen Riesen an.

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Die ehrgeizigen Umbaupläne der Allianz machen aber auch vor dem Nebenvertrieb nicht Halt. Und so kündigt Natascha Waag, Fachbereichsleiterin Vertriebs- und Verkaufsprozesse bei der Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV), in der aktuellen Ausgabe der „blauen Post“ einige Neuerungen an. Betroffen sind vor allem die sogenannten Leiter der Verkaufsregionen (LVR). Also jene regionalen Führungskräfte, die sich um nebenberufliche Vermittler ebenso kümmern wie um Netzwerkpartner und Tippgeber. Über die Umbaupläne berichtet am Montag „Versicherungswirtschaft Heute“.

Neue Teams, mehr Aufgabenteilung

Sehr konkret werden die Umbaupläne nicht geschildert. Ziel sei es laut Vertriebschefin Waag, die Teams derart umzubilden, dass sich die Leiter der Verkaufsregionen stärker auf bestimmte Aufgaben konzentrieren können.

Bisher sind die LVR gezwungenermaßen Allrounder und übernehmen mehrere Tätigkeiten gleichzeitig, so geht aus dem Bericht hervor: Verkäufer, Führungskräfte, Personaler und sogar für das Backoffice tätig. Künftig soll sich das ändern. „In den neuen Teams konzentriert sich jeder auf eine bestimmte Rolle“, so Waag. Also mehr Aufgabenteilung. Erfolgreiche Verkaufsteams sollen aber, wenn möglich, beibehalten werden.

Die Vertriebstochter ABV verspricht sich von dem Team-Umbau, dass die Leiter der Verkaufsregionen mehr Zeit gewinnen. Vor allem für die Kundenbetreuung und das Anlernen von Tippgebern soll mehr Freiraum geschaffen werden. Wobei „Tippgeber“ bei den Münchenern eine eigene Bezeichnung haben: Wer noch nicht die notwendige Qualifikation hat, um Versicherungen vertreiben zu dürfen, startet als sogenannter Kundenkontakter. Er stellt, wie der Name schon sagt, den Kontakt zu Versicherungskunden her - und assistiert dann beim Beratungsgespräch, das ein Leiter oder Kundenbetreuer durchführt.

Neue Webpräsenz

Auch die Digitalisierung macht vor den Vertretern im Nebenvertrieb nicht Halt. So will die Allianz auch den Netzauftritt der Verkaufsleiter und Vermittler im Nebenverdienst überarbeiten. Jedes Betreuungsgebiet solle eine Webseite erhalten, die vier Leiter Kundenberatung und ein Kundenmanager gemeinsam verantworten, so berichtet "VW Heute". Dadurch sollen Sichtbarkeit und Reichweite der Seiten verbessert werden.

Der nebenberufliche Vertriebsweg solle ein "attraktiver Ansprechpartner" für Kunden, Interessenten und Mitarbeiter werden, zitiert "Versicherungswirtschaft Heute" aus dem Bericht. Schon heute lässt sich die Allianz die Tätigkeit der LVR-Fachkräfte einiges kosten. Wie die Allianz auf ihrer Webseite berichtet, beziehen sie nicht nur ein Grundgehalt - sie werden darüber hinaus "leistungsbezogen" an jedem Abschluss beteiligt, der durch die Kontakte zu einem Vermittler im Nebenberuf, Netzwerkpartner oder Kundenkontakter zustande kommt.

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Nur vermutet werden kann, dass die Umstrukturierung auch mit dem IDD-Umsetzungsgesetz und der überarbeiteten Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) zu tun hat. Zwar sieht das neue Gesetz explizit keine neuen Pflichten für Tippgeber vor, dieser Bereich ist komplett ausgespart. Anders hingegen für Vermittler im Nebenberuf: Auch sie müssen sich nun zum Beispiel regelmäßig weiterbilden und strengere Regeln beim Beschwerdemanagement der Kunden beachten (der Versicherungsbote berichtete). Aufgaben, die im Zweifel mehr Zeit erfordern.