Demokrafische Entwicklung erzwingt höhere Altersgrenzen

Laut Statistischem Bundesamt wird im Jahr 2060 jeder dritte Bundesbürger mindestens 65 Jahre alt sein. Das zwingt auch den Gesetzgeber zum Gegensteuern: Mit dem RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz von 2007 wurde die Erhöhung des Rentenalters von 65 Jahren auf 67 Jahre beschlossen. Beginnend im Jahre 2012 erhöhte und erhöht sich die Regelaltersgrenze, die zum Anspruch der sogenannten „Regelaltersrente“ führt, schrittweise über die Spanne von zwei Jahren: Für Menschen der Geburtsjahrgänge zwischen 1947 und 1958 um einen Monat pro Jahrgang, für die Jahrgänge ab 1959 um zwei Monate pro Jahrgang. Zum Jahr 2029 ist der Übergang abgeschlossen: Alle nach 1963 geborenen Versicherten erreichen die Regelaltersgrenze mit Vollendung des 67. Lebensjahres.

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Früherer Renteneintritt? Oft teuer erkauft

So nimmt auch die Zahl der Senioren zu, die einen früheren Renteneintritt wünschen. Oft ist dieser frühere Renteneintritt aber teuer erkauft: Erfüllt man nicht die Voraussetzungen einer „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ (nach § 36 SGB VI) mit einer Mindestversicherungszeit für Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung von 45 Jahren, muss man lebenslange Abschläge auf die Regelrente verschmerzen. Pro Monat, den man früher in Rente geht, beträgt der Abschlag 0,3 Prozent auf den monatlichen Rentenbetrag. Geht man ein Jahr früher in Rente, muss man 3,6 Prozent Abschlag in Kauf nehmen: Bei einer erwarteten Regelrente von 1.000 Euro brutto verliert man jeden Monat 36 Euro, wie das Infomationsportal der Deutschen Rentenversicherung veranschaulicht. Zieht man den Rentenbeginn um drei Jahre vor, beträgt der monatliche Rentenabschlag 108 Euro. Ein Betrag, der sich insbesondere bei steigender Lebenserwartung auf hohe Beträge summiert.

Aber es gibt Möglichkeiten, die Abschläge auszugleichen oder abzumildern. Plant ein Arbeitnehmer einen zeitigeren Berufsausstieg, kann er ab dem 50. Lebensjahr zusätzliche Beiträge zahlen. Je nach Höhe der Zusatzbeiträge reduziert er den Abschlag oder sichert sich sogar seine Regelrente, die er bei Arbeit bis zur Regelarbeitsgrenze beziehen würde. Die Zahlungen sind ab dem fünfzigsten Lebensjahr bis zum Erreichen der Regelarbeitsgrenze möglich.

Zusätzliche Beiträge retten Regelrente

Um das Beispiel einer erwarteten Regelrente von 1.000 Euro brutto anzuführen: Wer drei Jahre vor Erreichen der Regelarbeitsgrenze ausscheiden will, kann durch einen Betrag von 26.628,37 Euro Abschläge vermeiden. Zusätzliche Beiträge in dieser Höhe würden es zum Beispiel einen Arbeitnehmer ab Geburtsjahrgang 1964 ermöglichen, ohne Abschläge statt mit 67 Jahren mit 64 Jahren in Rente zu gehen. Ein Modell mit Zukunft: Wie das Handelsblatt berichtete, schloss die IG Metall für 40.000 Beschäftigte einen Tarifvertrag ab, der beinhaltet, dass der Arbeitgeber der Rentenversicherung die Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat abkauft. So steht es den Arbeitnehmern frei, früher in Rente zu gehen oder eine höhere Rente zu erhalten.

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Zusatzbeiträge können als Einmalzahlungen oder Teilzahlungen ab dem fünfzigsten Lebensjahr geleistet werden. Wer nachträglich von seinem Plan eines zeitigeren Ausscheidens aus dem Berufsleben ablässt, erhält für die Zusatzbeiträge eine entsprechend höhere Rente. Über die notwendige Höhe der Zusatzbeiträge zur Vermeidung von Abschlägen kann beim Rentenversicherungsträger eine sogenannte „Prognoseauskunft“ erbeten werden. Hier erhält man auch Informationen, wie sich ein Beitrag in welcher Höhe auf die spätere Regelrente auswirkt.