Blickt man mit Beratungshäusern wie McKinsey in die Zukunft, dann lassen sich die Verbraucher bald nicht mehr von Menschen aus Fleisch und Blut zum Thema Versicherungen und Finanzen beraten, sondern von digitalen Sprachassistenten wie Alexa. Bis zu 90 Prozent aller Vermittlerstellen werden bis 2030 wegfallen, hat McKinsey jüngst in einer Marktprognose behauptet (der Versicherungsbote berichtete). Doch mit der aktuellen Situation der Finanzberatung hat dies nichts zu tun, wie nun erneut eine Umfrage aus dem Hause YouGov zeigt. Die Deutschen wollen von einem persönlichen Ansprechpartner zu Finanzen beraten werden.

Anzeige  

 

88 Prozent bevorzugen persönliche Beratung

Befragt wurden Personen, die bereits das 30. Lebensjahr erreicht haben und ein überdurchschnittliches Nettoeinkommen ab 4.000 Euro monatlich erzielen. Also schon eine Zielgruppe, die Mitten im Leben steht und Geld zur Verfügung hat.

Die Zahlen sind deutlich. Zwei von drei Verbrauchern aus dieser Zielgruppe misstrauen der digitalen Finanzberatung, so das Ergebnis der YouGov-Umfrage. Und satte 88 Prozent wollen ausschließlich oder zumindest zusätzlich persönlich beraten werden. Fragt man, wer eine rein digitale Beratung wünscht, so stimmt nur etwa jeder zehnte Befragte zu. Alexa und Siri genießen noch nicht das Vertrauen dieser Kundengruppe.

Ein weiteres Ergebnis: Aktuell nehmen 60 Prozent der Befragten gar keine Finanzberatung in Anspruch, wenn sie sich in Geldangelegenheiten informieren wollen. 45 Prozent informieren sich im Internet, 15 Prozent überhaupt nicht. Das rückt den sogenannten Ro-Po-Kunden in den Fokus. Das sind Kunden, die Online nach Versicherungen recherchieren ("Research Online"), aber dann doch ihren Vertrag bei einem persönlichen Vermittler abschließen ("Purchase Offline“). In Auftrag gegeben hat die Studie die Unternehmensberatung Concedro und der Finanzsoftware-Anbieter Ortec Finance. Sie sprechen auch von „Kombinierern“, wenn es um Kunden geht, die sich persönlich wie online informieren.

Vier von zehn Verbrauchern werden nicht zur Risikobereitschaft gefragt

Zudem nennt die Umfrage auch Defizite der Finanzberatung. Beinahe jeder zweite Kunde (46 Prozent) gibt demnach an, dass im Beratungsprozess nicht die individuellen Ziele derart geklärt wurden, dass er sie hätte benennen können. Und selbst wenn die Ziele aufschienen, so vermisste jeder Dritte eine Überblick, wie er diese Ziele erreichen kann. 37 Prozent der Umfrageteilnehmer, die bereits eine Beratung in Anspruch nahmen, wurden zudem nicht nach ihrer individuellen Risikobereitschaft gefragt.

Anzeige  

 

Hintergrundinformationen: Für die Online-Studie befragte Yougov 1.029 Personen ab 30 Jahren mit mindestens 4.000 Euro Haushaltsnettoeinkommen.