Beschäftigte, die den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro erhalten, werden im Alter nur eine Rente beziehen, die deutlich unter dem Niveau der Grundsicherung liegt. Das gilt selbst dann, wenn sie 45 Jahre lang in Vollzeit arbeiten. Dies geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine kleine Anfrage der Linken hervor, so berichtete am Samstag die „Rheinische Post“.

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Es wäre deutlich mehr Lohn vonnöten

Selbst wenn der Mindestlohn leicht angehoben würde, reicht das für die Betroffenen nicht, um ein auskömmliches Alterseinkommen zu erzielen. Er müsste um mehr als 43 Prozent steigen, damit die Rentner letztendlich mehr in der Tasche haben als die Grundsicherung im Alter.

Laut Bundesarbeitsministerium liegt der durchschnittliche Bruttobedarf für Empfänger der Grundsicherung derzeit bei 814 Euro im Monat. Um diesen Wert „bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden über 45 Jahre versicherungspflichtiger Beschäftigung hinweg zu erreichen, wäre aktuell rechnerisch ein Stundenlohn von 12,63 Euro erforderlich“, zitiert die Rheinische Post aus der Antwort der Bundesregierung.

Doch die Bundesregierung hat eine Lösung für diese Menschen parat: Sie sollen zusätzlich privat vorsorgen. Mit einer zusätzlichen privaten und betrieblichen Altersvorsorge könne eine deutlich höhere Gesamtversorgung erzielt werden, heißt es demnach in dem Antwortschreiben auf die kleine Anfrage. Hierbei gilt es allerdings zu bedenken, dass speziell Betriebsrenten im Niedriglohnsektor wenig verbreitet sind, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert. Zudem reiche ein Bruttolohn von 1.475 Euro ohnehin kaum aus, um ein auskömmliches Leben zu bestreiten.

Jeder fünfte Beschäftigte erhält weniger als 10 Euro Stundenlohn

Laut DGB erhält jeder fünfte Deutsche derzeit einen Stundenlohn von weniger als zehn Euro brutto, darunter viele Minijobber, Teilzeitbeschäftigte und befristet Beschäftigte. Dabei lasse sich die Behauptung nicht aufrecht erhalten, es handle sich vornehmlich um gering Qualifizierte. Zwei Drittel der Niedriglohnbezieher haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, weitere 10,5 Prozent sogar einen Hochschulabschluss, so rechnet der Gewerkschaftsbund vor.

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Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert nun, dass der Mindestlohn deutlich raufgesetzt wird. DGB-Chef Rainer Hoffmann sagte der "Saarbrücker Zeitung", er wolle sich für mehr Lohn in der Mindestlohnkommission einsetzen, die im Juni tagen wird. Die Kommission legt regelmäßig eine neue Lohnuntergrenze fest, Basis hierfür sind die letzten Tariferhöhungen sowie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Die Wirtschaftslage sei derzeit gut, "also muss es auch einen ordentlichen Zuschlag geben", wird Hoffmann zitiert. Das Statistische Bundesamt hält eine Anhebung auf 9,19 Euro im kommenden Jahr für realistisch.