Die Generali Deutschland kommt bei ihrem Konzernumbau bei einer wichtigen Baustelle offenbar gut voran. Vorgesehen ist, dass sich der komplette Exklusivvertrieb des Versicherers (EVG) der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) anschließt. Und tatsächlich haben sich bereits 2.500 der rund 2.800 Vertreter zu diesem Schritt entschlossen, wie nun DVAG-Boss Andreas Pohl berichtet.

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"Ich freue mich über diesen großen Zuspruch! Über 2.500 Berater haben sich für eine neue berufliche Heimat in unseren Reihen entschieden", wird Pohl in einem Pressetext zitiert. Dies bestätige die Attraktivität der Allfinanzberatung. Der Vorstandsvorsitzende betonte noch einmal, dass den neuen Partnern alle Produkte der DVAG offen stünden.

Generali Leben stellt Neugeschäft ein

Hintergrund des Wechsels ist, dass die Generali ihre deutsche Tochter Generali Leben abwickeln und dort das Neugeschäft einstellen will. Damit bricht der Ausschließlichkeit die Geschäftsgrundlage weg: ein Großteil ihrer Einnahmen kommt aus dieser Sparte. Bei der DVAG werden die früheren Generali-sten als freie Handelsvertreter agieren. Bis zum Ende des Jahres 2018 soll ihre Integration abgeschlossen sein.

Unter den 2.800 Mitgliedern der Generali-Ausschließlichkeit sind auch rund 700 festangestellte Mitarbeiter, so heißt es im aktuellen Konzerngeschäftsbericht 2017 der DVAG. Auch sie sollen die Option erhalten, zur DVAG zu wechseln, versichert Andreas Pohl. Das Problem hierbei: statt einer Festanstellung müssten sie dann das Risiko einer selbstständigen Beschäftigung tragen. Ob es speziell bei diesen Personen Widerstand gibt, sich dem Allfinanzvertrieb anzuschließen, berichtet Pohl nicht.

Der DVAG-Chef betont jedoch im Vorwort zum Geschäftsbericht, dass man bereits seit 20 Jahren mit der Generali kooperiere und bald deren kompletten Ausschließlichkeitsvertrieb in Deutschland stellen werde. „Schon jetzt generieren die DVAG-Vermögensberater 60 Prozent des Beitragsaufkommens der Generali-Deutschland-Gruppe; zum Weltumsatz der Generali steuert allein die DVAG 15 Prozent bei“, schreibt Pohl. Die Abhängigkeit der Generali werde durch die Integration der neuen Partner weiter zunehmen, frohlockt der Vorstand.

Ver.di schaltet sich in Run-off-Debatte ein

Ärger droht der Generali hingegen von anderer Seite. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat sich am Mittwoch an die Presse gewendet und einen möglichen Verkauf der Generali Leben an einen externen Investor verurteilt. Der Verkauf dieser Bestände bedeute schon angesichts der Größe einen „Dammbruch für die gesamte Branche“, schreibt Ver.di. Es drohe ein "erheblicher und grundlegender Vertrauensverlust" beim Kunden.

Aktuell prüft die Generali den Verkauf von vier Millionen Leben-Verträgen an externe Abwicklungsgesellschaften. Hierbei handelt es sich zum Teil um hochverzinsliche Altverträge, die dem Kunden besonders hohe Garantien zusagen und die Bilanz des Versicherers belasten - unter anderem, weil sie mit viel Eigenkapital gesichert werden müssen. Nach Informationen des "Handelsblatt" gibt es bereits mehrere Kaufinteressenten. Deutschlandchef Giovanni Liverani wolle noch vor dem Sommer über einen möglichen Verkauf entscheiden.

"Das Vertrauen von Millionen von Bürgerinnen und Bürgern in die private Altersvorsorge wird durch derartige Managemententscheidungen entscheidend geschwächt", kritisiert nun der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. "Wir fordern die Politik auf, nicht zuzulassen, dass ein zentraler Bestandteil der betrieblichen und privaten Altersversorgung ins Risiko gestellt wird".