Die Tatsache, dass Starkregen und damit verbundene Sturzfluten mit dem Klimawandel zu einem allgemeinen Lebensrisiko in Deutschland werden, also jede und jeden treffen können, wird nicht mehr bestritten. Deshalb gibt es kein Argument mehr gegen die Einbeziehung aller Land- und Immobilienbesitzer in eine Versicherungspflicht (oder Pflichtversicherung) für Elementarschäden.

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Starkregen bedroht auch Hausbesitzer, die nicht an Gewässern leben

Von Extremwettern wie Starkregen sind auch Bürger "auf dem Berg" und nicht nur der Flussanrainer betroffen. Zugleich wissen wir aus den Beobachtungen der Großereignisse der letzten Jahrzehnte, dass diese Schäden im Einzelfall existenziell sein können, zum Beispiel bei Mehrfachbetroffenheit wie in Sachsen. Regionen des Bundeslandes wurden in kurzer Zeit von mehreren Hochwassern heimgesucht, für Anwohner kann das den finanziellen Ruin bedeuten.

Deshalb darf es keine Lücken im Versicherungsschutz, sprich "Unversicherbarkeit", mehr geben. Damit eine solche allgemeine Naturgefahrenversicherung aber volkswirtschaftlich bezahlbar bleibt und ein Missbrauch vermieden wird, sind zumutbare Eigenanstrengungen der Betroffenen durch die Prämiengestaltung zu fördern (was unvermeidlich auch eine gewisse Quersubvention für Altimmobilien in extrem gefährdeten Lagen beinhaltet).

Ergebnisse der Bürgerumfrage der Verbraucherzentrale Sachsen im Frühjahr 2017(c) Verbraucherzentrale Sachsen

Zu einer klug strukturierten Elementarschaden-Versicherung gehören Prämiennachlässe bei Vorsorgeanstrengungen ebenso wie Prämienzuschläge für die Unterlassung von Vorsorge, also risikodifferenzierte Tarife. Ein allgemeines Lebensrisiko verbindet sich auch heute schon in der privaten Krankenversicherung ganz selbstverständlich mit Risikozu- und -abschlägen für den Einzelnen und widerspräche nicht dem Gedanken der allgemeinen Absicherung gegen Extremwetterereignisse.

Der befürchtete große Widerstand in der Bevölkerung ist als Gegenargument für die Einführung einer Versicherungspflicht mehr als fraglich. Eine im Auftrag der Verbraucherzentrale Sachsen im Frühjahr 2017 durchgeführte repräsentative Bürgerumfrage hat bundesweit eine große Zustimmung der Menschen für eine Versicherungspflicht offenbart: Bundesweit würden mehr als 67 Prozent der Bürger eine obligatorische Absicherung gegen Elementarschäden begrüßen. Nur etwa jeder Fünfte spricht sich offen dagegen aus (siehe Grafik).

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Andrea Heyer, Verbraucherzentrale Sachsen