Wenn die private Krankenvollversicherung abgeschafft wird, fände das laut einer aktuellen repräsentativen YouGov-Umfrage großen Rückhalt bei der Bevölkerung. Demnach antworten 61 Prozent der Deutschen positiv auf die Frage: „Würden Sie für die Einführung der Bürgerversicherung und die Abschaffung der privaten Krankenversicherungen stimmen?" - so entschieden sich 28 Prozent für „Auf jeden Fall“, weitere 33 Prozent wären für „Eher ja“.

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Weit geringer ist hingegen die Zahl jener, die sich für einen Erhalt der privaten Krankenvollversicherung aussprechen. 14 Prozent wären für „Eher nein“ und zehn Prozent strikt dagegen ("Nein"). Weitere 14 Prozent der Umfrageteilnehmer antworteten mit „weiß nicht“. Das geht aus einer aktuellen Yougov-Umfrage hervor.

Bürgerversicherung ist zentrale SPD-Forderung

Das Konzept der Bürgerversicherung ist eine zentrale Forderung der SPD für eine Neuauflage der Großen Koalition. Die Umsetzung der „Überwindung der Zwei-Klassen-Medizin“ dürfte jedoch nicht einfach werden. Ein Fingerzeig darauf könnten die teilweise turbulent geführten Debatten auf dem Parteitag sein. Schließlich stimmte nur eine knappe Mehrheit von 362 der 642 Abgeordneten für Verhandlungen mit der Union und damit für eine neue Regierungsbeteiligung. Nicht zuletzt das zeigt auf, wie tief gespalten die Partei inzwischen ist.

Die Umfrage zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Stimmung von Partei zu Partei ist. Während drei Viertel der Anhänger von den Linken (75 Prozent) sowie 72 Prozent der SPD-Anhänger für die Einführung der Bürgerversicherung stimmen würden, wären es bei den Wählern von CDU/CSU (51 Prozent) und FDP (53 Prozent) deutlich weniger. Auch der Großteil der Wähler der Grünen (71 Prozent) und der AfD (70 Prozent) wäre pro Bürgerversicherung.

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Dass die Idee der Bürgerversicherung einen so großen Rückhalt in der Bevölkerung hat, überrascht durchaus. Denn sowohl der Großteil der privat und gesetzlich Versicherten in Deutschland ist "zufrieden" beziehungsweise sogar "sehr zufrieden" mit der eigenen Krankenversicherung sind (83 Prozent und 85 Prozent). Die Hintergründe stecken also tiefer. Während sich ein in Fünftel der Privatversicherten "regelmäßig" oder "bei fast jedem Arztbesuch" überversorgt fühlt, sieht knapp ein Viertel der gesetzlich Versicherten "regelmäßig" oder "bei fast jedem Arztbesuch" eine Unterversorgung in der Behandlung. Folglich herrsche ein Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit vor. Demnach würde knapp die Hälfte der Bundesbürger (51 Prozent) das Gesundheitssystem in Deutschland als ungerecht empfinden.