Fünf Versicherer haben seit Jahresbeginn ihr Neugeschäft mit Riester-Policen dauerhaft eingestellt. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin „Euro am Sonntag“ und beruft sich auf eine hauseigene Branchenumfrage. Konkret handle es sich hierbei um die Cosmos Direkt, Inter, Nürnberger, Öffentliche Braunschweig und PB Versicherungen, eine Talanx-Tochter und Versicherer der Postbank.

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Neue Anforderungen – und sinkende Nachfrage

Die Gründe für den Rückzug seien vielfältig, berichtet das Magazin. So habe ein Sprecher der Öffentlichen Braunschweig eine „deutlich nachlassende Nachfrage“ sowie die „politischen Diskussion um die Zukunft der Riester-Rente“ als Ursache genannt. Die Nürnberger habe sich dahingehend positioniert, dass die „rechtlichen Rahmenbedingungen und die aktuelle Marktsituation“ derzeit „keine Spielräume“ biete. Unter anderem sind die Riester-Versicherer seit dem 1. Januar 2017 verpflichtet, ein einheitliches Produktinformationsblatt auszuhändigen.

Zudem hat der Riester-Spezialist HanseMerkur24 im Oktober 2017 seinen Betrieb eingestellt und wurde rückwirkend zum Jahresbeginn mit der Konzernmutter HanseMerkur verschmolzen. Eine Entscheidung, die in der Branche für Aufhorchen sorgte, hatte der Direktversicherer doch im Geschäftsjahr zuvor mit 270 Millionen Euro Überschuss sein erfolgreichstes Geschäftsjahr abgeliefert. Auch hier war die Leben-Sparte, der Riester zuzurechnen ist, der Grund für das Aus. Allein bei den Einmalbeiträgen brach das Neugeschäft um 235 Millionen Euro ein (der Versicherungsbote berichtete).

Auch andere Anbieter ohne Riester-Neugeschäft

Laut „Euro am Sonntag“ stand auch bei anderen Anbietern das Riester-Neugeschäft zwischenzeitlich auf der Kippe. So hatten etwa die Alte Leipziger, Barmenia und Debeka das Neugeschäft teils ausgesetzt: teils auch, weil die Umstellung zu den neuen Produktinformationsblättern einen großen technischen Aufwand mit sich brachte, weil die IT darauf ausgerichtet werden musste. Andere Anbieter haben Riester schon länger nicht mehr im Programm, darunter die Arag, Basler, Ergo Direkt, Europa und Ideal.

Die Riester-Rente kam auch 2016 nicht aus der Krise. Der Gesamtbestand an Riester-Versicherungen bei den Lebensversicherern betrug zum Jahresende 2016 rund 10,7 Millionen Verträge, was ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutete. Das geht aus der Broschüre „Die Lebensversicherung in Zahlen 2017“ des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Für das laufende Geschäftsjahr gibt es aktuell noch keine Branchenzahlen.

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Zudem ist nach Schätzungen der Bundesregierung jeder fünfte Riester-Vertrag ruhend gestellt. Mehr als drei Millionen Sparer zahlen für ihre Policen aktuell keine Prämien mehr. Das hatte im Juni eine Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann ergeben (der Versicherungsbote berichtete).

mit Pressematerial Euro am Sonntag