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Steigende Mieten

Armutsrisiko Wohnen? In Großstädten fressen die Mieten das Einkommen auf

Gerade Menschen mit kleinen Einkommen müssen anteilig hohe Mieten zahlen (Symbolbild).Andrewicus@Pixabay.com

Armutsrisiko Wohnen? Rund 40 Prozent der Haushalte in deutschen Großstädten müssen mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens allein für die Kaltmiete ausgeben. Damit wird es selbst für Durchschnittsverdiener immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden, warnt eine gewerkschaftsnahe Stiftung. Im Schnitt werden dabei Menschen mit geringerem Einkommen, die eine vergleichbar kleine Wohnfläche haben, stärker zur Kasse gebeten als Gutverdiener.

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Wohnen entwickelt sich für eine zunehmende Zahl von Menschen in den Großstädten zur Armutsfalle. So lässt sich eine Studie zur Mietbelastungsquote zusammenfassen, die von der Humboldt-Universität in Berlin und Goethe-Universität in Frankfurt am Main durchgeführt wurde. Die Wissenschaftler werteten hierfür die Daten für 77 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern aus. Datengrundlage war der Mikrozensus von 2014: eine repräsentative Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik in Deutschland mit 830.000 teilnehmenden Haushalten.

Mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens für Kaltmiete

Wie die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung, Auftraggeber der Studie, in einem Pressetext berichtet, müssen rund 40 Prozent der Haushalte in Deutschlands Großstädten mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens allein für die Kaltmiete ausgeben. Das entspricht rund 5,6 Millionen Haushalten, in denen 8,6 Millionen Menschen leben. Bei Sozialwissenschaftlern gilt eine Mietbelastungsquote oberhalb von 30 Prozent des Haushaltseinkommens als problematisch, weil dann nur noch relativ wenig Geld zur sonstigen Lebensführung zur Verfügung bleibt, insbesondere bei Menschen mit kleineren Einkommen.

Rund eine Million Haushalte zahlen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens allein für Mieten, so ein weiteres Ergebnis der Auswertung. Und etwa 1,3 Millionen Haushalte haben nach Abzug der Mietkosten nur ein Resteinkommen, das unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze liegt. Das heißt, sie haben weniger als das gesetzlich festgelegte Existenzminimum übrig, das den Menschen ein Leben in Würde ermöglichen soll.

Über zwei Drittel der Haushalte, die nach der Mietzahlung nur noch über ein Resteinkommen unterhalb der Hartz-IV-Regelsätze verfügen, erreichen zudem eine Mietkostenbelastung von über 40 Prozent. „Diese etwa 900.000 Haushalte werden im Wortsinn durch die Miete in die Armut gedrängt“, schreiben die Studienmacher.

Vergleichsweise hohe Belastung für Mieter mit kleinen Einkommen

Die Mikrozensus-Daten zeigen, dass Menschen mit geringeren Einkommen generell pro Kopf weniger Wohnfläche zur Verfügung haben und in schlechter ausgestatteten Wohnungen leben. Trotzdem tragen sie im Mittel eine weitaus höhere Mietbelastungsquote als wohlhabendere Haushalte, weil oftmals auch für Wohnungen mit geringerem Standard relativ hohe Mieten zu zahlen sind.

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So liegt der Medianwert der Miethöhe bei den Haushalten, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens haben und damit unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze, laut der Studie bei 7,20 Euro pro Quadratmeter. Haushalte, die über mehr als 140 Prozent des Einkommensmittels verfügen, zahlen im Mittel 8,10 Euro. Dementsprechend gravierend sind die Unterschiede bei der Belastungsquote: Während die Haushalte mit höherem Einkommen im Mittel 17,2 Prozent davon für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, sind es bei den Haushalten an der Armutsgrenze 39,7 Prozent.

mit Pressematerial Böckler-Stiftung
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