Axa-Deutschland-Chef Alexander Vollert. Bildquelle: Pressefoto Axa „Ambition 2020“ - so heißt das neue Digitalisierungsprogramm, mit dem sich die Axa Deutschland fit machen will für die Zukunft. Und das nicht ohne Stellenabbau vonstatten gehen wird. Insgesamt 800 Arbeitsplätze sollen wegfallen und damit jede zehnte Stelle, so hat der neue Axa-Deutschland-Chef Alexander Vollert am Dienstag vor Pressevertretern berichtet. So will der Konzern pro Jahr 180 Millionen Euro einsparen. Über die Pressekonferenz schreibt heute das Versicherungsjournal.

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18 Bausteine, 200 Initiativen

Das Programm „Ambition 2020“ entpuppt sich dabei, wie es der Name schon verrät, als ambitioniert. 18 Bausteine mit über 200 Initiativen sollen umgesetzt werden, so habe Alexander Vollert den Axa-Mitarbeitern ins Fährtenbuch geschrieben. Oder anders formuliert: das ganze Geschäftsmodell soll umgekrempelt werden. „Weg von der klassischen Versicherung hin zu einer Gesellschaft, die Kundeninteraktion hat und den Kunden Sicherheit gibt“, zitiert das Versicherungsjournal Alexander Vollert. Man will zukünftig stärker als bisher auf allen Kanälen mit den Kunden kommunizieren, auch digital.

Es ist freilich nicht das erste Umbauprogramm bei Deutschlands fünftgrößtem Versicherer, sondern eher ein Fortschreiben früherer Umbaumaßnahmen. Auch Vollerts Vorgänger Thomas Buberl, seit September 2016 Chef des französischen Mutterkonzerns Axa S.A., hatte der Axa Deutschland bereits in seiner Wirkungszeit ein ehrgeiziges Spar- und Umbauprogramm verordnet.

Dieses hörte auf den Namen „Focus to perform“, kostete 1.800 Stellen und sollte 328 Millionen Euro Einsparung bringen. Nicht bei jedem Mitarbeiter stießen die Umbaupläne damals auf Wohlwollen. Bei einer Mitgliederversammlung vor tausend Vertretern in Frankfurt am Main wurde Buberl 2015 teils ausgebuht und ausgepfiffen.

Doch auch Alexander Vollert betont nun, dass der Stellenabbau möglichst sozialverträglich ablaufen soll. Mit dem Betriebsrat sei bereits eine Betriebsvereinbarung getroffen wurden, sagte Vollert laut Versicherungsjournal. Man wolle beim Abbau auf die natürliche Fluktuation beziehungsweise auf Instrumente wie Vorruhestandsregelungen und Abfindungen zurückgreifen.

Neue Unternehmenskultur, doch Bekenntnis zum Vertretervertrieb

Eine Neuerung für „Ambition 2020“ hat Vollert von seinem früheren Arbeitgeber Allianz mitgebracht. Dort wird mit einem „Net Promoter Score“ gemessen, ob die Kunden einen Vermittler weiterempfehlen würden oder nicht (der Versicherungsbote berichtete). Die Weiterempfehlungs-Bereitschaft wird dabei teils auch bei der Vergütung der Vermittler berücksichtigt.

Auch die Axa will dieses Verfahren nun einführen. Ähnliche Empfehlungs-Tools kennt der häufige Online-Nutzer bereits von Plattformen wie „Amazon“. Dort können Produkte und Dienstleister mit einer Skala von eins bis fünf Sternen bewertet werden.

Auf den Prüfstand kommt aber die komplette Interaktion mit dem Kunden. Alle Kundenprozesse bekämen ein neues Design und verbindliche Service-Prozesse, so Vollert laut „Versicherungsjournal“. Zugleich gab der neue Konzernchef ein Bekenntnis zum Vertreter-Vertrieb ab. Nur ein kleiner Teil der Kunden wolle wirklich „ausschließlich digital“ unterwegs sein, die persönliche Interaktion sei nach wie vor wichtig.

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Auch eine neue Unternehmenskultur soll Teil des Ambitions-Programms werden: mehr Heimarbeit, mehr Projekt-Arbeit, weniger feste Büros für Mitarbeiter. Ein neues IT-System soll zudem ermöglichen, alle Produkte auch online anzubieten und externe Daten schneller abzugreifen, etwa von Kataster-Ämtern in der Wohngebäudeversicherung. Bei allen Produktentwicklungen müsse zukünftig der Grundsatz "mobil first" gelten, wird Vollert zitiert.

Versicherungsjournal