ein Beitrag aus dem Versicherungsbote Fachmagazin 02/2016

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Jens Könner, so nennen wir den Probanden, der Maklersoftware für sein wachsendes Unternehmen sucht. Unter einem anderen Namen gibt es Makler Jens im wirklich wahren Leben tatsächlich. Und Kollege Könner sucht einen Weg, seine Kunden und Verträge statt mit Papier und Leitz-Ordner künftig mit Bits und Bytes zu organisieren. Schließlich erzählt die IT-Welt, zuvörderst deren Anbieter, den Maklern seit einiger Zeit, sie könnten aus ihren Kundendaten Gold schürfen, mehr Umsatz machen. „Mehrwerte generieren“, lautet eine der, wie wir noch sehen werden, arg inhaltsarmen PR-Floskeln der Programmierzunft, die dem Makler bei seinem Tagesgeschäft doch dienlich sein will.

„Mehrwerte“. Meistens scheitern die Angebote der Technikanbieter bereits an einfachen Werten. Solchen einfachen Werten, die der Makler als Interessent vor dem Bildschirm bei seiner Recherche der Anbieter gern schlicht und einfach ablesen könnte. Fakten. Fehlanzeige.

Versicherungsmakler sind Fachleute für Versicherungen – nicht für IT

Es gibt mehr als 60 Anbieter für Maklersoftware. Nimmt man prominente Namen zur Hand, die in den sozialen Medien und auf Messen werblich kursieren, und klickt auf die Internetangebote der Unternehmen, dann erlebt der umworbene Kunde der Software-Anbieter das Folgende. Ein Anbieter für Maklersoftware, und der ist keine Ausnahme, plakatiert seine Startseite mit drei großen Feldern und zeigt anscheinend Produkte, sicher ist sich der Webbesucher nicht, namens „XYZ4 top“, „XYZ safe“ und „Avatar3.0“ (fiktive Bezeichnungen. Ähnlichkeiten mit bekannten Produkten wären Zufall). Versicherungsmakler sind Fachleute für Versicherungen – nicht für IT.

Ein anderer Anbieter fordert den Interessenten auf: „Jetzt release 11.3 buchen!“. Jeden Nicht-IT-Menschen vertreiben solche aus Buchstabencodes und Versionsnummern bestehende Begrüßungen auf der Startseite eines Softwareanbieter wie der Wolf das scheue Reh. Aussagen à la „breit gefächertes Angebot mit innovativ-modularen Lösungen“, erfüllen nun einmal nicht ihren Zweck, dem interessierten Versicherungsmakler seinen Vorteil nahezubringen. Nämlich das gesuchte Ende seiner Probleme als Makler, seine Kunden und Daten unter einen Hut zu bringen.

Keine Briefmarke zur Hand?

Geworben wird von den Software-Offerenten etwa mit dem Schlagwort „Dokumentenerkennung“, also der Aussage zum „Was“ die Software kann. Statt zu sagen (Text-Idee): „Sie sparen Zeit und Geld. Aus Dokumenten der Versicherer werden automatisch Daten gespeichert, die sie künftig als Schatz heben können...“. Testmakler Jens Könner lässt sich von Wortgeklingele nicht irritieren, schließlich sucht er eine Lösung, und wühlt weiter im Web nach Auskunft, welche Software ihm zu besten Diensten stehen könnte. Also hilft testen.

Nur der Versuch macht klug. Wer bei einem Anbieter für Maklerprogramme „schnuppern“ will, der muss sich dort meist ehrerbietig anmelden, es folgt ein E-Mail-hin-und-her, damit er einen Testzugang erhält. Es geht aber auch komplizierter, indem der Interessent sich einen Bestellschein als PDF-Dokument downloaden muss, der dann nach alter Väter Sitte wohl am besten per Fax verschickt wird (falls keine Briefmarke zur Hand).

Apple muss leider draußen bleiben – und nein: kein Testkonto

Nachrichtlich: Bei Online-Banken kann man schon seit gut 15 Jahren – also das ganze bisheriges Arbeitsleben der Generation Y lang – mit einem Testkonto spielen. Neudeutsch füllt dies den viel bemühten Begriff der Gamification mit Leben – spielerisch vollendeter wirkstarker Werbung. Ein Testkonto bei Softwareanbieter für Makler war bei der Webrecherche von Makler Jens Könner Fehlanzeige. Vielleicht hat er auch nicht intensiv genug gesucht bei seinem Versuch, Software für seine Kundenverwaltung und -verträge zu finden? Eine Ausnahme beim Testen macht der Anbieter C3PO (Name geändert). Dieses Unternehmen bietet seinen Interessenten einen Download, um sich mit der Software anzufreunden. Tatsächlich landet nach dem Download auf Tester Könners Rechner sodann eine Datei namens probiermich.zip. Auf dem PC entpackt erscheint die Datei probiermich.exe. Nach einem Klick auf diese Datenlieferung folgt diese Meldung: „Du kannst das Windows-Programm nicht öffnen...“. Makler Jens ist nämlich anscheinend ein Exot. Könner Jens Könner nutzt einen Apple-Rechner.

Doch! Es gibt noch Offline-Versionen

Es gibt auch Anbieter, die bieten dem Makler neben dem Online-Zugriff auch eine Profiversion ihrer Software zum Produktvergleich an, die man sich – wir befinden uns im Jahr 2016 – auf den Rechner laden muss (vulgo offline). Testmakler Jens Könner, altersmäßig immerhin schon Ende 30, konnte das nicht fassen.

Was fehlt? Es fehlen Software-Anbieter, die den Makler, der seine Daten der Menge und der Zukunftsanforderungen wegen digitalisieren muss, von Bekannten zum Unbekannten führen. Die dem durchaus IT-mäßig vorgebildeten Nutzer seine Vorteile nicht als Programm-Funktion definieren, sondern die ihm seinen Nutzen anhand von Fakten zeigen. Etwa so: „Sie sparen 50 Prozent der Zeit, die Sie bisher für Datenerfassung aufgewendet haben“. Oder so: „Alle Ihre Policendaten von Axa bis Zurich (Ausnahme die Sorgenfrei Assekuranz AG, wir arbeiten dran) werden automatisch Ihren Kunden zugeordnet.“

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Oder so: „Probieren Sie MaklerTop 4.0 und testen Sie anhand eines Musterbestands, wie einfach Sie ...“. Nebenbei: Wer einen Interessenten mit einem Testbestand spielen lässt, der spart sich wohl auch den größten Teil der Herausgabe von einzelnen Testzugängen. In einem weiteren Schritt sollte der User auf Knopfdruck gezeigt bekommen, welche seiner Kunden noch keine Berufsunfähigkeitspolice haben oder Hausratverträge, deren Bedingungen fünf Jahre oder älter sind. Ist das erst einmal geschafft, dann darf man dem Makler gern, weil er dann als potenzieller Käufer „an der Angel ist“, ausführlicher erklären, was Big Data ist, wie man in einem Data Warehouse Gold schürft. Das Fazit von Testmakler Jens Könner zu seiner Odyssee auf der Reise zur Maklersoftware: „Neunziger“.