Die Bundesregierung prognostiziert, dass die Prämien in der privaten Krankenversicherung in den nächsten Jahren massiv ansteigen werden. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linken hervor, aus der die Berliner Zeitung am Donnerstag zitiert. Demnach sind die Probleme der Branche weit größer als bisher angenommen.

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Ursache für die erwarteten Beitragssprünge ist der Niedrigzins. Die privaten Krankenversicherer sind gezwungen, aus den Kundengeldern Rücklagen für das Alter zu bilden. So soll verhindert werden, dass die Prämien später explodieren, wenn ältere Patienten auch höhere Gesundheitskosten erzeugen. Doch die ursprünglich vorgesehene Verzinsung für diese Rücklagen erreicht derzeit kein einziger deutscher Krankenversicherer.

Kalkulation der Rücklagen mit 3,5 Prozent Zinsen

Jahrzehntelang hatte die private Krankenversicherung mit einer Verzinsung von 3,5 Prozent kalkuliert und diesen Wert im Branchenschnitt sogar überschritten. Ein Ertrag, der aktuell nicht mehr erzielt werden kann. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 gebe es Probleme, die vorgesehene Verzinsung zu erzielen, berichtet die Berliner Zeitung. Der aktuelle Niedrigzins verschärfe dieses Problem noch.

Zum Ausgleich seien die Kassen nun gezwungen, ihre Beiträge anzuheben, so heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Andernfalls reichen die Rücklagen nicht aus, um die steigenden Krankheitskosten der 9 Millionen Privatversicherten abzufedern. Wie hoch die Beitragssprünge sein werden, dazu wird keine Aussage getroffen.

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Doch auch der PKV-Dachverband rechnet 2017 mit „untypischen Beitragserhöhungen“ für Privatpatienten. Betroffen von den höheren Beiträgen für ihren Versicherungsschutz seien voraussichtlich rund sechs Millionen der bundesweit knapp neun Millionen Privatversicherten. Die „Stuttgarter Nachrichten“ wollen auch recherchiert haben, wie hoch die Beitragssprünge ausfallen sollen: sie klettern im Schnitt um elf bis zwölf Prozent (der Versicherungsbote berichtete).

Berliner Zeitung