Die kriselnde Ergo plant einen neuen Online-Versicherer. Erste Details gab am Montag Firmenchef Markus Rieß im Interview mit der Süddeutschen Zeitung bzw. dem Branchendienst Versicherungsmonitor bekannt. Der neue Versicherer soll demnach Nexible heißen und sich an Kunden richten, die sich ohne Beratung und Telefonservice online versichern wollen.

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„Die Kunden wollen unmittelbarer kommunizieren“

„Der Versicherer wird Nexible heißen, aus Next und Flexible. Die Zukunft und die Flexibilität“, sagte Rieß der Süddeutschen. Die neue Marke sieht Rieß auch als Antwort auf die gewachsene Konkurrenz durch Fin- und Insurtechs, die ihre Dienste auch online anbieten. Sein Anspruch sei, aus diesem Kampf als Sieger hervorzugehen, versicherte Rieß.

Um gegen die neuen Anbietern bestehen zu können, müssten sich die Versicherer auf die neuen Kundenbedürfnisse einstellen. „Die Kunden wollen viel unmittelbarer kommunizieren und sind viel weniger kanaltreu“, so Rieß, der seit September 2015 die Geschicke der Ergo Versicherungsgruppe leitet. Laut Rieß würden die Kunden sich heute über das Internet informieren, morgen zu einem Vermittler gehen und übermorgen auf einem Online-Portal vergleichen.

Auch weitere Details zu der neuen Konzerntochter nannte Rieß. Sie soll in Düsseldorf sitzen, aber nicht im Ergo-Turm. Und groß wird Nexible auch nicht sein: ganze 20 Mitarbeiter sollen zum Start für das Unternehmen arbeiten. „Wir fangen mit Kfz an, dann kommen andere Bereiche, welche richtet sich vor allem nach den Kundenwünschen“. Vorstellbar wären auch Unfall- und Krankenzusatzversicherungen.

Obwohl Nexible noch keine Versicherungen verkauft, hat das Unternehmen unter "nexible.de" bereits eine eigene Webseite. Dort wird deutlich, dass sich das Angebot vor allem an eine junge Zielgruppe richtet. Es überwiegt ein lockerer Ton, die Kunden werden mit "Du" angesprochen. In der Selbstdarstellung heißt es: "Wir glauben, dass es Zeit für eine rein digitale Versicherung ist: eine Versicherung, die auf dein Smartphone passt, die unkompliziert ist und die dir das Steuer in die Hand gibt."

Kriselnde Ergo

Die Ergo befindet sich mitten in einem Umbauprozess. Um das Unternehmen zu modernisieren und teure Doppelstrukturen abzubauen, will die Konzernmutter Munich Re in den kommenden fünf Jahren 1 Milliarde Euro in die Hand nehmen. Auch ein Stellenabbau ist geplant, 1.800 Mitarbeiter sollen ihren Job verlieren. Für den Umbau wurde Markus Rieß im Herbst letzten Jahres angeworben. Zuvor war er Chef der Allianz Deutschland – und trieb dort die Digitalisierung mit voran.

6,5 Millionen Lebensversicherungen auf Halde

Für branchenweites Aufsehen sorgen die Pläne, rund 6,5 Millionen Verträge der Lebensversicherungs-Töchter Ergo Lebensversicherung, Victoria Lebensversicherung sowie Ergo Pensionskasse stillzulegen und in eine eigene Einheit abzuspalten. Das Neugeschäft für diese Anbieter wird dann eingestellt, nur noch bestehende Policen abgewickelt.

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Frank Grund, oberster Versicherungsaufseher der BaFin, hatte sich jüngst kritisch zu solchen Run-offs geäußert - aufgrund der hohen regulatorischen Vorgaben lohne sich dies für Versicherungen kaum. Rieß aber sagte: "Wir suchen nach allen möglichen Kostensynergien. Dazu gehören auch IT-Lösungen, zu eine hohe Effizienz bieten und gleichzeitig die Qualität für die Kunden sicherstellen". Man rede gerade mit mehreren Anbietern über Lösungen.

Süddeutsche Zeitung / Versicherungsmonitor