Jedenfalls war das Privatflugzeug, in welchem Thomas Wagner gemeinsam mit drei weiteren Personen starb, donnerstagfrüh von Venedig kommend nach Leipzig unterwegs gewesen. Die sechssitzige Piper 32, ein Einpropeller, sieht zwar ältlich aus, gilt aber unter Fachleuten durchaus als ein gutes Privatflugzeug, welches ein digitales Wetterwarnsystem an Bord habe - also auch vor Vereisungen rechtzeitig den Piloten warne.

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Es sei ein Flugzeug, mit dem man über die Alpen fliegen könne, erklärt ein Fachmann auf einem YouTube-Video anlässlich des Absturzes von Thomas Wagner. Es sei aber auch keines, das größere Vereisungen aushalte. Doch vor allem wegen der hohen digitalen Wetterausstattung der moderneren Piper 32 - klingt für Unister-Vertraute eine mögliche Vereisung des Flugzeugs als keine Ursache, der man sofort glauben schenken möchte. Hinzu kommt: Die Vereisungen als mögliche Unfallursache waren in den Medien, darunter in der Bild-Zeitung und in Nachrichtenagenturen, auffällig schnell genannt worden.

Es wirkte für Kenner der Flugbranche durchaus nach interessengelenkter lancierter Berichterstattung zu den angeblichen Absturzursachen. Korosides sagte zudem, er habe sich noch vor zwei Jahren mit Thomas Wagner anlässlich des Absturzes eines kleinen Privatflugzeuges zu den Ursachen geäußert. Darin habe Wagner selbst gesagt, dass Privatflugzeuge vor allem dann abstürzen würden, wenn sie die Winde oder sonstige Wetterverhältnisse unterschätzten. Wagner sei, so Korosides, alles andere als ein leichtsinniger Mitflieger gewesen - zumal für ihn das Fluggeschäft als Chef des größten deutschen unabhängigen Flugportals, von fluege.de, Alltag sei.

Absturz auf dem Rückflug

Die Piper 32, welche Thomas Wagner zum Verhängnis werden sollte, war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf dem Flughafen Venedig auf einem Neben-Stellplatz gestanden.Tags zuvor war die auf Vermittlung einer dritten Person durch Unister gecharterte Maschine mit Wagner und den drei weiteren Personen von Leipzig über die Alpen nach Venedig geflogen.

Eine ehemaliger angeblicher Banker aus Leipzig , der angeblich Flugangst haben soll und als K. bezeichnet wird, fuhr parallel mit dem Auto von Leipzig nach Venedig und auch wieder zurück. Er soll gesagt haben, er mache sowieso mit seiner Frau dann gleich vor Ort in Venedig einige Tage Urlaub. Er ist der Einzige, der Unister-Vertretung der die Venedig-Reise überlebt hat. Angeblich soll er früher langjährig Direktor der Berliner Bank in Hannover gewesen sein und jetzt im Vorstand eines Leipziger Immobilien-Unternehmers sein.

Auf den ersten Blick merkwürdig wirkt auch, dass der verstorbene Pilot schon 73 Jahre alt war. Über ihn ist bislang nicht viel bekannt. Es wird gegenüber Journalisten gestreut, er sei selber ein Fluglehrer gewesen und hinterlasse angeblich eine pflegebedürftige Frau, sei also garantiert kein Selbstmörder und erst Recht kein leichtsinniger unfähiger Flieger. Das Gegenteil sei der Fall: Der Mann sei hocherfahren und habe sich jährlich prüfen lassen.

Mit Wagner kam auch Heinz Horst Beck, ein Finanzvermittler aus Iserlohn in Nordrhein-Westfalen, um. Er soll unter anderem Wagner den Kredit empfohlen haben, nachdem ein dritter bislang noch nicht bekannter Mann ihm wiederum das ungewöhnliche Darlehensgeschäft in Venedig angeboten habe.

Beck soll in NRW die Firma „Alcar Finance & Consult GmbH“ betrieben haben, schreibt die Bild-Zeitung Leipzig in ihrer Samstagsausgabe vom 17. Juli. Seltsam: Die angegebene Telefonnummer lande aber im Nirvana. Jedenfalls geht das Gerücht um, dass Beck auch das Darlehen an Unister mit eingefädelt und vermittelt haben soll - gegen Provision. Ausschlaggebend für die Empfehlung des Flugzeugs an Thomas Wagner scheint oberflächlich betrachtet ein niedriger Charterpreis zu sein, den Insider mit 4300 Euro beziffern. Andere halten aber auch eine andere Option für möglich:

Dass man Thomas Wagner extra ein in einer überschaubaren Zeit durchaus manipulierbares Privatflugzeug für einen drohenden feucht-kalten Sommerüberflug über die Alpen empfohlen haben könnte und dabei weitere Hintergedanken gehabt habe.

Angeblich, sagt ein Insider, soll Heinz Horst Beck wiederum am Flughafen Leipzig sowie diversen Flugvermittlern um ein Flugzeug gefragt haben, mit welchem man nach Venedig fliegen könne. Dabei sei er schließlich auf irgendwelchen Umwegen auf einen Vermittler gestoßen, der wiederum gute Kontakte zu einem bekannten Leipziger haben soll. Heißt: Im Zentrum des Interesses steht derzeit: Wer hat das Flugzeug Wagner empfohlen und warum ist es im Ausland zugelassen gewesen und nicht, was der Sicherheitsermittlung im Falle eines Absturzes dienlicher gewesen wäre, in Deutschland?

Ein ungwöhnlicher Deal in Venedig

Thomas Wagner soll sich auf den ungewöhnlichen Darlehens-Deal in Venedig eingelassen haben, da er mit ihm bekannten Namen umkleidet geworden ist. Dazu gehörte das Wagner unterbreitete Thema, wonach einer der Finanzvermittler - jener der überlebt hat - früher angeblich langjähriger Direktor der Berliner Bank in Hannover gewesen sein soll. Hinzu kamen Behauptungen, dass solche Art Darlehen in den vergangenen Jahren von den involvierten Kreditvermittlern schon mehrmals erfolgreich über die Bühne gebracht worden seien.

Deshalb schöpfte Wagner, der bei allen Geschäftsanbahnungen als misstrauisch und sehr genau prüfend gilt und auch diesen Deal unter Involvierung von Unister-Mitarbeitern gemacht habe, keinen Verdacht, dass er einem Millionen-Betrug, welcher letztlich sein Leben kosten könnte, aufsitzen könnte.

Zum Ritual gehörte auch, dass Thomas Wagner gerne seinen ehemaligen Pressechef und Freund Korosides anrief und ihn fragte, ob er irgendwelche Gerüchte gehört habe, die für ihn wichtig sein könnten. Meist fand dann ein längerer Meinungsaustausch statt. Doch ausgerechnet in dem Fall hatte auch Konstantin Korosides, mit welchem Wagner noch am Donnerstag der Vorwoche eine halbe Stunde telefoniert hatte, nichts seltsames gehört. Auch nicht, dass es öffentlich sei, dass Wagner einen Deal in Venedig plane und dafür ein Flugzeug gechartert habe. Das einzige was er gehört habe, sei, dass man im gegnerischen Lager von Wagner davon rede, Wagner plane einen „gewagten Deal“.

Doch Fakt war: es war im Lager der Wagner kritisch bis ablehnend stehenden Leuten in Leipzig längst bekannt, dass Thomas Wagner nach Venedig mit einem Privatflugzeug wollte. Ein umstrittener Leipziger soll sogar vorab eine Anzeige gegen Wagner aufgesetzt haben, welche er der italienischen Polizei habe übergeben wollen, da er angenommen habe, der Deal in Venedig könne illegal sein (was er aber rechtlich vom Grundsatz her nicht war).

Neben Wagner starb bei dem Flugzeugabsturz auch Unister-Co-Gründer Oliver Schilling, 39. Er hinterlässt seine Lebenspartnerin, eine Unister-Mitarbeiterin, mit einem Kind (1 Jahr) ebenso, wie angeblich zwei weitere Kinder aus einer früheren langjährigen Beziehung. Oliver Schilling ist wiederum der Zwillingsbruder von Christian Schilling, ebenfalls ein Unister-Gesellschafter, der während des Flugzeugabsturzes aber nicht in Europa gewesen sein soll. Das rettete ihn glücklicherweise.

Oliver und Christian Schilling schildern viele Unister-Mitarbeiter als im wahrsten Sinne „ein Herz und eine Seele“: Wer die beiden Zwillingsbrüder gesehen habe, der habe sofort große Sympathien für die zurückhaltenden Unister-Mitgesellschafter empfunden, die stets und gerne zu einem Spaß aufgelegt gewesen seien. Beide verantworteten bei Unister das Thema SEM (Search Engine Marketing), also zum Beispiel Google Werbung, und gelten dabei in Deutschland als führende Fachleute.

Darlehensgeber - ein israelischer Milliardär ?

Um die Geschichte aber rund zu machen: Der Darlehensgeber soll ein angeblicher israelische Milliardär sein, wird kolportiert, der angeblich auf solche etwas ungewöhnlichen Geschäfte für Firmen spezialisiert sei. Wer der seltsame Mann ist, der Wagner entweder direkt in Venedig oder über einen eingeschalteten Mittelsmann die Millionen gestohlen und betrogen hat, ist nicht klar. Fakt dürfte sein: Es handelt sich um einen möglicherweise mafiösen Gangster, der gerne solche Geschäfte in Italien macht - schön hinter den Alpen für Kunden, die mit Flugzeugen kommen.

Bereits am Donnerstag hatte der Versicherungsbote Dr. Konstantin Korosides, den wir noch aus seinen Leipziger Zeiten kennen, zu dem Absturz und Tod seines ehemaligen Chefs und Freundes Thomas Wagner befragt. Damals wie heute glaubt er nicht an einen Unfall.

Korosides war von 2009 bis 2015 Pressechef von Unister und seinen 60 Portalen, darunter auch von ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de. Wir wollten von ihm wissen: Wie sieht er den den tragischen Tod von Internetstar Thomas Wagner?

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Uns hatte er gesagt: „Wir haben noch am Donnerstag vor dem Absturz über eine halbe Stunde telefoniert, ich glaube nicht an einen normalen Absturz“ sagte Korosides gegenüber dem Versicherungsboten, was er später auch der Leipziger Volkszeitung (lvz.de) sagte. Laut Korosides soll es in der Vergangenheit bereits Manipulationen an Wagners Porsche gegeben haben und er habe sich um seine Sicherheit gesorgt, weshalb er aber auch viel vorsichtiger als früher geworden sei.