Zum letzten Überbleibsel des Budapest-Skandals 2007, dem anstehenden, eventuell auch platzenden Prozess vor dem Landgericht Hamburg (der Versicherungsbote berichtete) sagte Rieß im Interview nur wenig. „Der Prozess böte die Chance, die Ereignisse strafrechtlich zu würdigen.“ Intern habe man bei Ergo mit der Skandalreise nach Budapest abgeschlossen. Ein Vorgang wie vor neun Jahren könne sich nicht wiederholen. Zu heutigen Incentive-Reisen sagt Rieß, diese fänden „heute üblicherweise mit Partner statt“.

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Unklar, „wie viele Stellen genau abgebaut werden, damit sich das 2017 positiv auswirkt“

Für das Jahr 2017 bestätigt Rieß gegenüber der „Wirtschaftswoche“ (WiWo) sein Ziel, ab diesem Jahr Gewinne schreiben zu wollen. Über die konkrete Anzahl der Stellen, die abgebaut werden sollen (rund 2000 sind geplant), könne er noch nichts sagen. Zugleich verweist der Ergo-Chef darauf, dass der Stellenabbau auch zu hohen Restrukturierungskosten führt. Zu seinem Plan, die fünf Vertriebsorganisationen zu einer einzigen zu verschmelzen und dem zu erwartenden hausinternen Widerstand, sagt Rieß: nichts.

Zur Zukunft seines Unternehmens angesichts der Umwälzungen der Branche, „die größte Veränderung betrifft den Umgang mit dem Kunden“. Neue Kommunikationskanäle stellten „Herausforderungen für Produkte, Prozesse und Technik“. Angesichts niedriger Zinsen müsse Ergo Risiken besser einschätzen und berechnen. Im Blick auf ruhend gestellte Lebensversicherungs-Bestände meint Markus Rieß, es werde sich „ein Markt bilden für die Verwaltung von Beständen“. Die effiziente Verwaltung von Policenbeständen könne man auch anderen anbieten.

Digitalmarke mit FinTech-Helfern ein „Experiment“

Das Auslandsgeschäft mit dem derzeitigen Schwerpunkt Südostasien und Osteuropa schaut sich Rieß bis Jahresende „genau an und will klären, wo Anpassungen nötig sind. Zukäufe wie Verkäufe sind eine Option“. Für kleinere Auslandseinheiten sei das Ziel Wachstum, für die „großen, etablierten Spieler in einem ausgereizten Markt“ komme es dagegen auf Profitabilität an. Genau sagt all das zum Auslandsgeschäft: gar nichts. Die WiWo macht daraus dennoch eine Schlagzeile: „Ergo stellt Auslandsgeschäft auf den Prüfstand“.

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Neue Geschäfts-Chancen sieht Markus Rieß in einem Ausbau der konzerneigenen Fondsfirma Meag; dort könne er sich die Ausdehnung von deren Tätigkeit auf die „Vermögensverwaltung für Drittkunden vorstellen“. Die für 2017 geplante Digitalmarke „beginnt mit der Autoversicherung“. Am Anfang werde Ergo damit keine großen Stückzahlen verkaufen. Rieß dazu: „Wir wollen lernen. Ich sehe das als Experiment mit Potenzial“. Man werde für die neue Digitalmarke mit Partnern aus der FinTech-Szene zusammenarbeiten. Namen nennt Rieß in dem Interview nicht.