Ihr Geschäft mit den klassischen Lebensversicherungen will die Allianz künftig merklich herunterfahren. Vorstandschef Oliver Bäte gab auf der Hauptversammlung in Bayerns Hauptstadt jüngst bekannt, dass der Rückgang der Umsätze um 6,4 Prozent im ersten Quartal des Jahres durchaus auf diese Entscheidung zurückzuführen sei. Jedoch sei dieses Minus "gewünscht und mit positiven Effekten verbunden". Mit einem operativen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro stand das Unternehmen außerdem besser da, als es der Konzern selbst vorausgesagt hatte, wie Spiegel Online schrieb.

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Niedrigzins bremst Garantien aus

Das Problem am Geschäft mit den klassischen Lebensversicherungen ist heute unter anderem der ungeheure Verzehr an Eigenkapital. Um im Niedrigzins-Umfeld die langfristigen Garantien zu gewährleisten, fordert der Gesetzgeber von den Versicherern, dass sie genügend Eigenmittel zurückhalten - dies belastet die Bilanzen.

Auch dass bei klassischen LV-Produkten die Gelder der Kunden in festverzinsliche Papiere wie Staatsanleihen gesteckt werden müssen, macht die Policen für Versicherer unattraktiv - diese Anleihen werfen kaum noch etwas ab. Über 86 Prozent der Kundengelder sind bei klassischen Lebensversicherungen in entsprechende Anleihen investiert. Deshalb will Europas größter Versicherungskonzern in Zukunft das Interesse der Kunden auf neue Produkte wie die Rentenversicherung "Perspektive" lenken, um sie von den traditionellen Modellen und damit auch von den lebenslangen Garantien wegzuholen.

Die niedrigen Zinsen erschweren das Geschäft mit den Lebensversicherungen auch deshalb, weil die vertraglich fixierten Renditen langfristig nicht mehr garantiert werden können. "Wir haben die Lebensversicherung komplett umgesteuert", erklärte Bäte und versprach weitere Details für den elften Mai: dem Tag, an dem der zweite Quartalsbericht des Konzerns vorliegen wird.

Lebensversicherung: Klassiker geht langsam ein

Sicher aber ist, dass die eingeschlagene Richtung von der Allianz beibehalten werden wird. Denn das Bundesfinanzministerium plant, den Garantiezins zum 1. Januar 2017 auf 0,9 Prozent zu senken. Damit würden die Policen auch für Kunden deutlich unattraktiver und wohl weniger nachgefragt. In der Konsequenz gab der Versicherer bekannt, er würde das traditionelle Produkt mit Garantiezins zwar auch künftig anbieten, dabei könnte man dieses aber "angesichts höherer Renditechancen bei anderen Vorsorgekonzepten nicht empfehlen".

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Die Allianz hat trotz allem auch 2016 wieder viel vor und peilt ihr Maximalziel an, welches im Vorjahr mit einem operativen Gewinn von 10,7 Milliarden ganz knapp verfehlt wurde. Für dieses Jahr ist ein Ergebnis zwischen zehn und elf Milliarden avisiert. Gegenwärtig wird außerdem intensiv daran gearbeitet, das Unternehmen auf die Digitalisierung des Versicherungsgeschäfts vorzubereiten. So äußerte sich Bäte an die Aktionäre gerichtet recht pathetisch: "Ihre Allianz ist bereit für den nächsten Marathon. Bleiben Sie uns gewogen, auch wenn uns der Sturmwind wieder ins Gesicht bläst."

spiegelonline.de