„Wie hoch wird meine Rente sein – und was kann ich mir davon leisten?“ Diese Fragen beschäftigen viele Menschen. Auch unzählige Studien haben sich bereits mit dieser Frage auseinandergesetzt. Die aktuelle Untersuchung Rentenperspektiven 2040 aus dem Hause Prognos, die im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt wurde, wählte jedoch einen anderen Ansatz als viele andere Erhebungen. Die Studie wurde heute von Prognos-Chefökonom Michael Böhmer und GDV-Präsident Erdland in Berlin vorgestellt.

Anzeige

Eckrentner auf dem Abstellgleis der Sozialforschung?

Als Ausgangspunkt der Prognos-Studie diente nicht der sogenannte Eckrenter. „Der Eckrentner, der 45 Jahre oder demnächst sogar 47 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, ist ein theoretisches Konstrukt. Der hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun“, erklärt Michael Böhmer im Interview mit dpa. „Tatsächlich sind Erwerbsbiographien davon gekennzeichnet, dass man mal in Vollzeit arbeitet, mal in Teilzeit, mal auch arbeitslos ist, Kinder bekommt und so weiter. All das passiert dem Eckrentner nicht.“ Deshalb sei der Eckrentner wenig hilfreich hinsichtlich der Frage, was könne der Einzelne denn selbst hinsichtlich seiner Rente erwarten.

Die Prognos AG hat hier einen anderen Ansatz gewählt: sie schaute sich konkrete Berufe wie die Verkäuferin oder den Elektroinstallateur an, auch unter Berücksichtigung unterschiedlicher Arbeitszeiten. „Mit den Rentenperspektiven 2040 zeigen wir auf, wie viel Rente die Deutschen im Jahr 2040 erwarten können“, erklärt Böhmer. „Das ist zunächst einmal nichts Besonderes. Wir gehen aber darüber hinaus und machen deutlich, inwieweit die Rente abhängig ist von den individuellen Erwerbsbiographien, inwieweit sie abhängig ist von den ergriffenen Berufen und insbesondere, wie viel die Rentner im Jahre 2040 sich von ihrer Rente leisten können, in Abhängigkeit davon, wo sie wohnen werden“. Allerdings fanden nur 6 Berufe Eingang in die Auswertung ("Verkäuferin, Teamleiterin und Sozialpädagogin" bei den Frauenberufen, "Elektroinstallateur, Lohnbuchhalter und Entwicklungsingenieur" bei den Männerberufen). Hier ist es Aufgabe zukünftiger Forschung, auch andere Berufsgruppen zu erfassen.


Prognos

Die Welt der Rente ist bunt – abhängig von Erwerbsbiographie und Region

Die Welt sei, was die Rente betrifft, außerordentlich bunt. Wie viel man sich von der Rente eigentlich wird leisten können, hänge dabei sehr stark von der individuellen Erwerbsbiographie ab sowie von der Region, in der man lebe, erklärt Böhmer. Man wolle die Bürger mit der Studie für dieses Thema sensibilisieren, damit diese die Möglichkeit hätten, rechtzeitig „privat oder anderweitig“ für das Alter vorzusorgen. Je früher man sich informiere, desto besser könne man reagieren und die eigene Vorsorge anpassen.

Statt Alarmismus zu bedienen, wie man es bei derartigen Studien oft beobachtet, bemüht sich die Prognos-Studie um einen differenzierten Ansatz. „Die gute Nachricht ist: Die Rentenanpassungen werden im Durchschnitt hoch genug sein, um die Inflation mehr als nur auszugleichen“, heißt es in der Pressemeldung des GDV. Aber: „Die Löhne werden, wie schon in der Vergangenheit, schneller wachsen als die Renten. Trotz eines spürbar steigenden Beitragssatzes (von heute 18,7 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2040) sinkt das Bruttorentenniveau daher von heute gut 46 Prozent auf 39 Prozent im Jahr 2040.“ Prognos

Wirtschaftsstarke Regionen: Höhere Renten, aber auch niedrigere Kaufkraft

Eine Schlussfolgerung aus der Studie: Die Region macht den Unterschied, wie viel man von der Rente erwarten kann! Überdurchschnittlich hohe Renten würden in wachstumsstarken Kreisen mit angrenzenden Landkreisen gezahlt – beispielsweise in Bayern, Hamburg und weiten Teilen Baden-Württembergs. Hier sprechen die Studienverfasser von den „wirtschaftlichen Kraftzentren der Republik“.

Können die Ruheständler in diesen Regionen aber auch besser von ihren hohen Renten leben? Dies ist mitnichten garantiert. Entscheidend sei „nicht nur die Höhe der Rente, sondern auch, was man sich tatsächlich dafür leisten kann.“, heißt es im Pressetext des GDV. Und so seien gerade in diesen Kraftzentren die Lebenshaltungskosten besonders hoch. Dies gelte vor allem für Metropolen wie München und Hamburg, die im Bundesvergleich gerade wegen ihrer Wirtschaftskraft die niedrigste Rentenkaufkraft aufweisen.

Rentenkaufkraft weiblicher Berufe 2040. Quelle: PrognosUmgekehrt kann die höhere Kaufkraft in strukturschwachen Regionen auch den Nachteil niedriger Renten ausgleichen. So unterscheide sich die Rentenkaufkraft eines Ingenieurs im wachstumsschwachen Schwerin kaum von der seines Kollegen in Hamburg – obwohl er laut Studie eigentlich über 400 Euro weniger Rente erhält.

Das „Rentnerparadies“ der Zukunft dürfte in Bayern nahe der tschechischen Grenze zu finden sein. Die Region profitiere einerseits vom starken Wirtschafts- und Gehaltswachstum – teilweise auch, weil Arbeitnehmer in nahegelegene Wachstumsregionen einpendeln. Andererseits herrschen dort sehr niedrige Lebenshaltungskosten. Ein Elektroinstallateur aus dem Landkreis Hof habe deshalb eine um über 50 Prozent höhere Rentenkaufkraft als sein Kollege in München.Rentenkaufkraft männlicher Berufe. Prognos

2040 erhalten bestimmte Berufe nur noch ein Drittel des Durchschnittseinkommens als Bruttorentenniveau

Dennoch warnen die Studienmacher: viele Berufsgruppen würden im Jahre 2040 nur noch ein Drittel ihres letzten Durchschnittseinkommens als Bruttorente erhalten. Aktuell liege der Wert bei rund der Hälfte. Auch das erwartbare Bruttorentenniveau ist abhängig von der jeweiligen Region.Wie hoch sind aber nun die erwartbaren Renten 2040? Ein Lohnbuchhalter kann im Bundesschnitt mit einer Bruttorente von 2.324 Euro rechnen, die Teamleiterin ohne Kind mit 2.366 Euro, der Entwicklungsingenieur mit 2.597 Euro, der Elektroinstallateur mit 1.456 Euro und die Sozialpädagogin mit zwei Kindern mit 1.612 Euro. Am größten ist die Armutsgefährdung bei der Verkäuferin, die im Schnitt mit 1.095 Euro gesetzlicher Bruttorente auskommen muss.