GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland. Quelle: gdv.de Auf einer kleinen Pressekonferenz äußerte sich Erdland, der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) gestern auch zur Dauer der Umsetzung des LVRG. Dieses brauche zeitlich etwas Spielraum, denn es gebe ja langfristige Verträge mit Vertretern und Maklern. Zugleich warf er ein : „Aber wir müssen nach unten anpassen und dabei einen fairen Interessensausgleich finden.“ Viele Versicherer haben bereits die Abschlussprovision für Lebens- und Rentenversicherungen herabgesetzt.

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Der Hintergrund: Das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) hat das erklärte Ziel, die Abschlussprovisionen im Sinne des Kunden zu senken. Zwar ist keine Deckelung der Vermittlervergütung vorgeschrieben. Aber Versicherer können ab 2015 in den ersten fünf Jahren Vertragslaufzeit die Abschlusskosten nur zu 25 Promille statt bisher 40 Promille der Beitragssumme eines Vertrages steuerlich anrechnen.

Erdland hielt es in diesem Zusammenhang etwa für denkbar, die Bestandsprovisionen anzuheben. Es sei ihm bewusst, dass man aus politischer Seite auf eine konsequente Umsetzung warte, sowie darauf, dass die Abschlusskosten gesenkt würden. Diesem Druck entsprechend hielt es Erdland für angebracht, dass alle Anbieter hier schneller agieren würden. Zusätzlich erkannte Erdland im Bereich der Transparenz der Effektivkosten ein weiteres Feld für Optimierungen, schliesslich müsse man, wenn man beabsichtige, gegenüber der Politik glaubwürdig aufzutreten, die Berechnung der sogenannten "Reduction in Yield" branchenweit vereinheitlichen, wie das Versicherungsjournal schrieb.

GDV: „Unternehmen sollten nicht überfordert werden“

Was Erdland beunruhigt, ist die sogenannte Zinszusatzreserve, welche gegebene Garantien absichern soll. Im Jahr 2014 kamen auf diesem Reserveposten bereits über 21 Milliarden Euro zusammen. Nun sei aber, so Erdland, jetzt in der nicht enden wollenden Niedrigzinsphase akut eine Überforderung insbesondere kleinerer Versicherer zu befürchten. Würde man nach den derzeit geltenden Spielregeln die Dotierung der Zinszusatzreserve fortführen, würde die Branche schon im Jahr 2024 umfangreiche Rücklagen mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro akkumuliert haben. Doch, so Erdland, es sei hier wichtig, dass „die Unternehmen (…) nicht überfordert werden“, weshalb er auf ein Einlenken von politischer Seite hoffe. Die Vorraussetzung dafür sei aber auch das Vorhandensein verlässlicher Daten aus den Unternehmen, die die Argumentationsgrundlage verbreitern würden.

Beitragswachstum für Schadens- und Unfallversicherer

Während sich Erdland zu den Themen der Zinszusatzreserve und der Umsetzung der LVRG vernehmlich äußerte, blieben seine Aussagen im Hinblick auf die konjunkturelle Entwicklung der deutschen Versicherungsbranche eher zurückhaltend und vorsichtig. So erwarte er im Geschäft der Lebensversicherung bei den Bruttobeitragseinnahmen gegenüber dem Vorjahr ein schwächeres Ergebnis, bei den Schaden- und Unfallversicherern hingegen dieses Jahr ein Beitragswachstum von etwa 2,4 Prozent. Doch bevor man sich hier endgültig positioniere, müsse man bis zum Jahresende warten. Denn obgleich desaströse Naturschäden wie etwa das Hochwasser im Jahr 2013 in diesem Jahr noch ausgeblieben sind, käme doch auch eine ganze Reihe lokaler Ereignisse, wie etwa Starkregen oder Hagel in einzelnen Ortschaften, zusammen.

Zum Thema einer baldigen Zinswende in Europa artikulierte Erdland übrigens seine Zweifel, dies sei nicht wahrscheinlich, selbst dann nicht, wenn die US-Notenbank noch in diesem Monat die Zinsen erhöhen und weltweit ein Signal setzen könnte. Zusätzliche Verunsicherung käme ferner aus dem aktuellen Einbruch am chinesischen Aktienmarkt.