Die Europäische Kommission hat, wie sie selbst berichtet, Beihilfen für eine britische Rückversicherungs-Regelung genehmigt, in deren Rahmen in England demnächst Hochwasser-Versicherungsschutz zu bezahlbaren Prämien angeboten werden soll. Für das Programm namens „Flood Re“ werden die englischen Versicherer einen Rückversicherungspool für besonders hochwassergefährdete Haushalte einrichten.

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Finanziert werden soll „Flood Re“ zum Teil über eine branchenweite Abgabe. Weil der Pool sich durch Subventionen einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern verschaffen könnte, musste das Verfahren mit den EU-Beihilfevorschriften in Einklang gebracht werden, was die EU-Kommission kürzlich bestätigte.

EU-Kommission: „Marktversagen“ bei den britischen Versicherern

Im November 2014 meldete das Vereinigte Königreich die geplante Einrichtung von „Flood Re“ bei der Kommission zur Genehmigung an. Demnach handelt sich um einen Rückversicherungspool ohne Erwerbszweck, der von Versicherern betrieben und finanziert werden soll. Mit „Flood Re“ soll nach Worten der EU-Kommision „ein auf dem britischen Sachversicherung-Markt in bestimmten Bereichen bestehendes Marktversagen“ dadurch behoben werden, dass Versicherer die risikoreichsten Hochwasser-Deckungen zu einer festgesetzten Prämie auf den Pool übertragen können. Den Bedingungen der Rückversicherung zufolge können Versicherer die Risiken bündeln.

Die Versicherer werden Hochwasserschäden wie gewohnt entschädigen und dann die von Prämien nicht gedeckten Kosten gegenüber dem Rückversicherungspool geltend machen. Gleichzeitig werden den Versicherten „annehmbare Preise garantiert“, da die Prämien für am Pool beteiligte Versicherer in ihrer Höhe begrenzt sind. Die Beteiligung an der Rückversicherung ist freiwillig, und Versicherer haben nach wie vor die Möglichkeit, derartige Risiken auf dem allgemeinen Rückversicherungsmarkt zu versichern.

Planungszeitraum 20 bis 25 Jahre

Die Rückversicherung steht zu denselben Bedingungen allen Unternehmen offen, die im Vereinigten Königreich inländische Sachversicherungen anbieten. Wettbewerbsverzerrungen werden dadurch auf ein Minimum reduziert. Schließlich handelt es sich bei „Flood Re“ um eine vorübergehende Maßnahme, die nach einem geschätzten Zeitraum von 20 bis 25 Jahren auslaufen wird.

Anschließend dürften die Versicherer aus Sicht der EU-Kommission auf Grundlage der Marktbedingungen in der Lage sein, Hochwasserversicherungen nach dem jeweiligen Risiko, aber in annehmbarer Höhe zu bepreisen. Um das risikoabhängige Prämiensystem für inländische Hochwasserversicherungen nachhaltig zu gestalten, haben sich die britischen Behörden verpflichtet, in den kommenden 20 bis 25 Jahren in die Infrastruktur zum Hochwasserschutz zu investieren, um das Hochwasserrisikomanagement im Vereinigten Königreich zu verbessern. So soll in den Jahren 2015-2016 ein Programm zur Verbesserung des Hochwasserschutzes aufgelegt werden.

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Prämien der Kunden werden gedeckelt

Über das Rück-/Versicherungsprogramm hatten der britische Versichererverband ABI seit dem Jahr 2008 mit der Regierung verhandelt. Im Jahr 2013 haben sich britische Versicherer verpflichtet, Privathaushalten und KMU-Unternehmen eine Hochwasserversicherung auch für stark gefährdete Objekte anzubieten. Im Juli soll „Flood Re“ starten. In den höchsten Hochwasser-Risikoklassen (ähnlich der deutschen ZÜRS-Klassifikation) sollen die Prämien auf 210 beziehungsweise in der höheren Risikozone auf 540 britische Pfund (umgerechnet etwa 295 oder 760 Euro) gedeckelt werden. Dies teilt der britische Versichererverband jetzt mit.