Groß, größer, Aviva: Der britische Versicherer Aviva Public Limited Company ist nun endgültig zum größten Anbieter im Königreich aufgestiegen, nachdem der Konzern seinen Mitkonkurrenten Friends Life übernommen hat. Der neue Big Player zählt nun etwa 16 Millionen Kunden und beschäftigt rund 35.000 Mitarbeiter, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Das Geschäft im Volumen von 5,6 Milliarden Pfund sei abgeschlossen, teilte Aviva am Freitag mit.

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Doch für die Mitarbeiter bedeutet die Megafusion nichts Gutes. Über 1.500 Stellen sollen abgebaut werden - so will das Unternehmen bis zu 225 Millionen Pfund jährlich einsparen. "Dies ist der richtige Deal zur richtigen Zeit. Wir haben die Chance, eine stärkere und dynamischere Aviva zu schaffen", kommentierte der Vorstandsvorsitzende Mark Wilson. Im Jahr 2014 erzielte Aviva ein operatives Ergebnis von 2,173 Milliarden britischen Pfund, Friends Life von 64 Millionen Pfund.

Analysten bewerten Fusion positiv

Auch an der Börse sorgte der Deal für Optimismus. Die Analysten der britischen Investmentbank Barclays reagierten begeistert auf die Fusion und schalteten ihr Rating von „Underweight“ auf „Overweight“. Die Übernahme von Friends Life habe die Kapitalausstattung des Versicherers verbessert sowie Risiken im Rahmen der sogenannten Leverage Ratio reduziert, kommentierten die Finanzexperten laut Guardian ihre Entscheidung. Als die Fusionspläne im November öffentlich wurden, hatte Barclays zunächst seine Bewertung ausgesetzt, weil die Bank zu den Beratern von Friends Life zählte.

Hintergrund der Fusion ist auch die Tatsache, dass Aviva in den letzten Jahren mit Problemen zu kämpfen hatte. Im Jahr 2012 versuchte der Konzern durch Beteiligungsverkäufe (und einher gehender Bilanzverkürzung) zu gesunden und produzierte damals mehr als 3,5 Milliarden Pfund Nettoverlust. Ohne die Übernahme von Friends Life hätte der Versicherer wohl Jahre länger gebraucht, um sich zu erholen, betont Barclays.

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Auch darüber hinaus bietet die Fusion Chancen. Aviva ist einer von Europas größten Lebens- und Schadenversicherern, der neben Großbritannien u.a. auch in Frankreich, Italien, Kanada und auf den asiatischen Wachstumsmärkten aktiv ist. Friends Life hingegen ist weit stärker auf den britischen Markt fokussiert. So erhofft sich der große Unternehmensbruder neue Cross-Selling-Effekte auf dem heimischen Markt, zum Beispiel indem man Inhabern von Friends Life-Lebensversicherungen auch eigene Schaden- und Krankenpolicen vermitteln kann.