Nein, groß ist sie nicht, die kleine Skatbank aus dem Thüringischen. Ganze 558,5 Millionen Euro beträgt die Bilanzsumme des Institutes, das nur acht Mitarbeiter beschäftigt. Und doch sorgt das Mini-Institut aus dem Altenburger Land seit einiger Zeit für Schlagzeilen, obwohl es weder eine Medienagentur noch einen Pressesprecher beschäftigt. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete die Skatbank gar als „Deutschlands radikalstes Geldinstitut“!

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Was macht die Skatbank also anders als all die mächtigeren Mitkonkurrenten? Ganz einfach: Sie begreift die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) als Chance, um auf sich aufmerksam zu machen. Als erstes deutsches Geldinstitut verlangte die Skatbank im September 2014 einen Strafzins von 0,25 Prozent auf das Tagesgeldkonto, wenn Privatkunden mehr als 500.000 Euro dort anlegen. Und nun schafft die Skatbank als wohl erstes Geldinstitut den Dispozins ab. Schließlich können sich auch die Banken bei der EZB Geld zum Nulltarif leihen!

Girokonto: Kein Dispo bis 2.500 Euro, aber 7,50 Euro Kontoführungsgebühr

Beim genauen Hinsehen entpuppt sich die Abschaffung der Dispozinsen als gewiefter Marketing-Trick. Denn die Skatbank sichert sich gut ab, um ihren Kunden den Service zu bieten. Zum einen müssen Sparer nachweisen, dass sie mindestens 1250 Euro Gehalt im Monat auf das Konto einzahlen. Zum anderen darf das Konto nur um 2.500 Euro überzogen werden – wer mehr Dispo will, muss wieder einen Zins berappen.

Auch ist das Konto nicht kostenlos. Fällig wird eine monatliche Kontoführungsgebühr von 7,50 Euro, berichtet die Süddeutsche. Folglich sei die angebliche Abschaffung des Dispozinses „eine andere Art der Kontosubvention, vergleichbar mit dem Begrüßungsgeld, das einige Häuser geben“, erklärt Bankenexperte Oliver Kleine vom Beratungshaus SMP dem Münchener Blatt. Denn ein Konto unterliege immer einer Mischkalkulation: Wenn das Konto keine Gebühren kostet, holt sich die Bank das Geld auf anderen Wegen, zum Beispiel durch hohe Dispozinsen.

Dennoch: Wenn ein Kunde den Gratis-Dispo voll ausreizt, müsste die Skatbank ungefähr 35 Euro pro Jahr draufzahlen. Ein zu hohes Risiko für das kleine Geldinstitut? Das Angebot sei „sauber durchkalkuliert, es rechnet sich besser als das kostenlose Konto der Commerzbank mit Begrüßungsgeld“, erklärt Skatbank-Vorstandschef Holger Schmidt der Süddeutschen. Letztendlich sei die monatliche Kontogebühr fairer und transparenter als ein Konto mit hohem Überziehungszins.

Überregionale Berichterstattung

Der kleinen Thüringer Bank ist mit ihrem neuen Kontomodell ein Coup gelungen. Überregionale Medien wie die Süddeutsche oder die Tagesschau berichteten über die vermeintliche Abschaffung des Dispozinses. Andere Banken könnten bald nachziehen und ähnliche Konten anbieten, schätzen Branchenexperten. Es ist verwunderlich, dass von den rund 2.000 Kreditinstituten in Deutschland zuvor niemand auf die Idee kam.

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Aber die Skatbank wusste schon vorher auf sich aufmerksam zu machen. Als eine der wenigen Anbieter lockte sie kleine und mittelständische Unternehmen mit einem kostenlosen Geschäftskonto. Bei Banksparplänen wurde sie von der Stiftung Warentest zum besten überregionalen Anbieter gekürt. Marketing bedeutet, wenn man trotzdem auf sich aufmerksam macht - auch ohne teure Werbekampagne und Agentur im Rücken.

Süddeutsche Zeitung