Bittere Nachricht für 30.000 Kleinanleger! Wie die Main Post (Donnerstag) berichtet, hat das niederfränkische Finanzunternehmen Deltoton GmbH einen Insolvenzantrag stellen müssen. Die Pleite des Unternehmens war abzusehen, nachdem die Staatsanwaltschaft Würzburg bereits im Dezember letzten Jahres 26 Objekte durchsuchen ließ und 5 Personen in Polizeigewahrsam nahm (Versicherungsbote berichtete).

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Nach Angaben der Zeitung ist der Würzburger Rechtsanwalt Markus Schädler von der Bendel Insolvenzverwaltung AG zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. Sein Mandat umfasst drei Firmen: Die Deltoton GmbH, die CSA Beteiligungsfonds 4 GmbH & Co. KG sowie die CSA Beteiligungsfonds 5 GmbH & Co. KG. Der Schaden soll sich auf eine zweistellige Millionensumme belaufen.

Totalverlust nicht ausgeschlossen: Deltoton vertrieb stille Beteiligungen

Ganz überraschend kommt die Insolvenz von Deltoton nicht. Seit den 90er Jahren vermittelt der Finanzdienstleister, bis 2007 unter dem Namen Frankonia Wert AG aktiv, sogenannte atypisch stille Beteiligungen. Beworben wurden die Finanzprodukte als sichere Altersvorsorge mit Traumrenditen von bis zu 14 Prozent. Durch Einmalzahlungen oder monatliche Ratenzahlungen konnten sich Geldgeber an Unternehmen beteiligen und sollten von den Gewinnen profitieren.

Was Vermittler nicht selten verschwiegen: Die Anleger müssen mit ihren gesamten Einlagen haften, wenn das Unternehmen rote Zahlen schreibt. Und das bedeutet ein Totalverlustrisiko. Vorzeitig kündigen können sie ihre über Jahre laufende Anlage nicht. Die Betroffenen sollen wohl auch überredet worden sein, bestehende sichere Kapitalanlagen aufzugeben, um in Beteiligungen der Deltoton GmbH zu investieren.

Sicher ist nicht einmal, ob die eingesammelten Gelder überhaupt vollständig investiert wurden. Die fünf Inhaftierten sollen mit weiteren Personen „eine Vielzahl von Gesellschaften im In- und Ausland gegründet haben, über die die von den Anlegern einbezahlten Gelder hin- und hergeschoben wurden, bis diese letztlich entgegen ihrem ursprünglichen Zweck zumindest teilweise den Beschuldigten zuflossen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der ermittelnden Oberstaatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums Unterfranken. Typische Indizien, die auf ein Schneeballsystem hindeuten.

Verbraucherschützer warnten früh

Totalverlust mit Ansage? Bereits seit 2001 hatte die Stiftung Warentest vor den dubiosen Geschäften der Vorgängerfirma Frankonia Wert AG gewarnt. Seit 2004 steht das Unternehmen sogar auf der „Warnliste Geldanlage“, mit der unseriöse Angebote erfasst werden sollen. 2011 fuhr Deltoton laut Handelsblatt rund 150 Millionen Euro Verlust ein: Der Niedergang hat sich abgezeichnet.

Gegründet wurde das Unternehmen von den Weltklasse-Fechtern Elmar Borrmann und Thomas Gerull. Die beiden Spitzensportler waren nach ihrer Sportkarriere in die Beraterbranche eingestiegen und hatten in den 90er Jahren für Investmentfonds der Deutschen Frankonia Beteiligungs AG geworben. "Wir stehen mit unserem Namen dafür ein", verkündeten damals Borrmann und Gerull in den Werbeprospekten des Fonds. Vermittelt wurden die Beteiligungen von Strukturvertrieben wie Futura Finanz aus Hof und Südfinanz. Beide Vertriebe waren laut Vermittlerkreisen für ihre aggressiven Vertriebsmethoden berüchtigt.

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Ermittlungen könnten Jahre in Anspruch nehmen

Die Anleger werden sich noch gedulden müssen, bis sie erfahren, was mit ihrem Geld passiert ist. Denn die Ermittlungen könnten sich über Jahre hinziehen. „Es handelt sich um ein sehr umfangreiches Verfahren, bei dem wir eng mit den ermittelnden Behörden zusammenarbeiten“, erklärt Insolvenzverwalter Schädler der Main Post. Oberstes Ziel sei es, den Schaden für die Anleger so gering wie möglich zu halten. Betroffene sollten sofort jegliche Zahlungen einstellen und sich rechtlich beraten lassen, rät die Verbraucherzentrale Hamburg.

Main Post