Schon der Name dieser Studie lässt Böses erahnen. Und tatsächlich zeigt der erstmals erstellte „Klinik-Notstandsreport“ der Personalberatung Rochus Mummert ein düsteres Stimmungsbild von Deutschlands Krankenhäusern. Die Mehrheit der 100 befragten Geschäftsführer und Direktoren deutscher Kliniken schätzt die Zukunft ihrer Häuser pessimistisch ein. Sie gehen davon aus, dass viele Herausforderungen in den nächsten zwölf Monaten schwieriger zu bewältigen sein werden als heutzutage. Der sogenannte Notstandsindex wird mit -2,2 angegeben: ein negativer Wert.

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Kostendruck und Personalausstattung wichtigste Probleme

Für die Berechnung des Notstandsindex werden die Klinikmanager zu den drei Oberthemen Leistungsqualität, Wirtschaftlichkeit und personelle Aufstellung befragt. Sie geben zunächst Auskunft über die derzeitige Lage ihres Hauses und anschließend dazu, wie sich die Situation zukünftig entwickeln wird. Auf dieser Basis wird für jedes der drei Themen ein Indexwert ermittelt, der im positiven und negativen Bereich liegen kann. Die Studie soll künftig regelmäßig durchgeführt werden, um aktuelle Trends in der Kliniklandschaft zu ermitteln.

Die Ausgangslage könnte pessimistischer kaum sein. Speziell die Wirtschaftlichkeit ihrer Häuser schätzen die Klinik-Vorstände sehr negativ ein, in diesem Bereich beträgt der Indexwert -5,6. Auch die personelle Aufstellung der Kliniken wird mit einem Index von -4,6 eher schlecht bewertet. Lediglich beim Thema Leistungsqualität ergibt sich mit +3,7 ein positiver Wert. Zusammen genommen liegt der Rochus Mummert Notstandsindex damit aktuell bei -2,2.

Der hohe Kostendruck in den Kliniken wird dabei als das größte Problem angesehen: Schon jetzt ist jede fünfte Klinik kaum in der Lage, diesen zu bewältigen. Fast jedes vierte Haus schreibt rote Zahlen, wie auch aus Statistiken der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) hervorgeht. Zwei Drittel der Entscheider sind sich zudem einig, dass der Kostendruck zukünftig noch zunehmen wird. Nur fünf Prozent gehen von einer Entspannung aus.

Am größten ist der Anteil der Pessimisten bei den Managern öffentlicher Krankenhäuser: 78 Prozent von ihnen sind der Meinung, dass sich der Kostendruck in Zukunft verschärfen wird. Bei den Privatkliniken sind es mit 53 Prozent dagegen deutlich weniger. Ein zweiter Faktor, der sich negativ auf die Wirtschaftlichkeit auswirkt: 45 Prozent der Krankenhausleiter sind der Meinung, dass sich die Auslastung der Kapazitäten negativ entwickeln wird. Nur 15 Prozent hoffen auf einen positiven Trend.

Große Unruhe in deutschen Kliniken

„In der deutschen Kliniklandschaft herrscht große Unruhe, in vielen Häusern ist der Begriff Notstand angemessen“, kommentiert Dr. Peter Windeck, Studienleiter und Geschäftsführer von Rochus Mummert Healthcare Consulting. „Bei allem Druck, den das Tagesgeschäft mit sich bringt, müssen die Entscheider vor allem eines besitzen: Weitblick. Sie müssen Stärken ihrer Klinik erkennen und deren Profil schärfen, um sich dem härter werdenden Wettbewerb zu wappnen.“

Die Studie fällt mitten hinein in eine Debatte, in der Politik, Krankenkassen und Klinikbetreiber über die Zukunft der deutschen Krankenhäuser verbittert streiten. Mehr als 2.000 Kliniken gibt es in Deutschland, jeder dritte Euro der GKV-Beitragszahler wird für stationäre Behandlungen ausgegeben. Rund 30 Prozent der Betten stehen leer. Die Krankenhäuser klagen hingegen über eine schlechte Personalausstattung, unmenschliche Arbeitszeiten und einen hohen Kostendruck. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat Mitte 2014 eine Bund/Länder-Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die Vorschläge für eine Klinikreform ausarbeiten soll.

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Hintergrundinformationen: Für die Studie "Notstandsreport 2015: Die größten Herausforderungen im Klinikmanagement" befragte das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Rochus Mummert 100 Geschäftsführer, Verwaltungsleiter, Verwaltungsdirektoren und geschäftsführende Direktoren in deutschen Kliniken. In Telefoninterviews gaben die Befragten Auskunft zur derzeitigen Lage und Zukunftsaussichten ihrer Häuser im Hinblick auf die Bewältigung verschiedener Herausforderungen. Befragungszeitraum: Ende 2014.

Rochus Mummert