Im Jahr 2011 schließlich war die Idee, an deren Verwirklichung Hinrikus gemeinsam mit Kristo Käärmann gearbeitet hatte, abgeschlossen: TransferWise begann seinen Siegeszug. Denn jenes Überweisungstool in Gestalt eines sozialen Netzwerkes kommt seither dem Bedürfnis all jener, die auf internationale Bankgeschäfte angewiesen sind, extrem entgegen - während sich die Banken vor dem rasanten Erfolg von TransferWise gruseln. TransferWise muss man sich als eine globale Devisen-Tauschbörse denken, wobei die Geldbeträge nicht über einen Tisch sondern sekundenschnell übers Netz transferiert werden.

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Western Union: Gut, aber noch nicht gut genug

Seit einigen Jahren kapern FinTechs, wie TransferWise, immer öfter die Kreise von Banken und Versicherern.Der Währungsdienstleister Western Union lockt seine Kunden mit einem Angebot von fünf Euro pro internationalem Bargeld-Transfer. Das ist nicht schlecht. Aber TransferWise fordert als Gebühr pro Aktion nur 0,5 Prozent des Überweisungsvolumens ab Beträgen von 200 Euro, jeder der weniger als 200 Euro transferieren will, zahlt nur einen Euro pro Aktion - und dies stets auf Grundlage des aktuellsten Wechselkurses. Das ist ein Hohn auf das traditionelle Bankgeschäft. Und eine Freude für alle, für die International Banking Alltag ist. Der sehr geringe finanzielle Aufwand zur Nutzung der Tauschbörse für Devisen sowie die Zugrundelegung realer Kurse für jede Transaktion - das sind zwei Bedingungen, die die Banken ihren Kunden bisher konsequent vorenthalten haben.

Banken - groteske Gebühren

Überzogene Gebühren von bis zu zehn Euro für Auslandsüberweisungen sind auch bei Banken und Sparkassen in Deutschland keine Seltenheit. Sucht man Details, findet man diese meist nur im Kleingedruckten der seitenlangen Leistungsverzeichnisse. Verdeckte Kosten, die aus Wechselkursen resultieren, sind hier noch nicht einmal eingerechnet. Hinrikus und Käärmann hatten ihr Unternehmen zunächst in Deutschland gegründet, aber ihre Firma von hier recht bald in die britische Hauptstadt London verlegt, da der regulatorische Aufwand dort weitaus überschaubarer war, als in Deutschland.

International beliebte Alternative

Bisher haben Banken für Überweisungen in Fremdwährungen stets eine recht beachtliche Gebühr kassiert, nun kann man sich die Gebühr sparen und schneller geht es auch mit TransferWise. Die Beliebtheit der Bankalternative ist damit nicht verwunderlich: britische Rentner mit einem Wohnsitz in Spanien, irische Freiberufler mit Kunden in den USA oder ausländische Arbeitnehmer mit einer Herkunft außerhalb der EU, die in Deutschland leben - es ist als hätten alle nur darauf gewartet.

58 Millionen Dollar Investition

Dass Henrikus den richtigen Riecher hatte, beweist, dass inzwischen große Namen aus dem Silicon Valley gerade 58 Millionen Dollar (50 Millionen Euro) in das junge Unternehmen pumpen. Den Investoren imponiert offenbar die Strategie, mit der die beiden Gründer aus Estland die internationale Finanzbranche brüskieren und wahrscheinlich dauerhaft umkrempeln werden.

Marc Andreessen und Ben Horowitz, das sind die Erfinder des Netscape-Internetbrowsers, investieren in TransferWise, denn: "Die Lösung ist nicht nur zehnmal besser als der alte Weg, Geld in fremden Währungen zu tauschen. Sie kommt auch zum richtigen Zeitpunkt. Denn im traditionellen Bankenwesen gibt es keine oder nur wenig Innovation.

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Deshalb sehen wir massive Möglichkeiten für neue Finanzdienstleister wie TransferWise", erklärt Investor Ben Horowitz sein finanzielles Engagement für das Unternehmen von Henrikus. Auch Virgin-Gründer Richard Branson hatte in einer früheren Finanzierungsrunde bereits in die smarte Alternative zur Bank investiert.

Berliner Morgenpost