Im November 2013 hatte die Dresdner Staatsanwaltschaft bei einer Großrazzia die Geschäftsräume der Infinus durchsuchen lassen. Der Vorwurf lautet, der Finanzdienstleister habe mit falschen Angaben in Projekten für Ordnerschuldverschreibungen rund 25.000 Anleger betrogen, die insgesamt über 400 Millionen Euro investiert hatten. Fünf Manager sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

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Schneeballsystem mit gebrauchten Lebensversicherungen?

Auch ein Schneeballsystem sollen die Unternehmen der Infinus-Gruppe unterhalten haben. Was Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler gestern laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung zu berichten hatte, verschärfte diesen Verdacht.

Nach Küblers Recherchen bestand das Hauptgeschäft der Konzernmutter FuBus im Ankauf und der Verwertung gebrauchter Lebensversicherungen. Diese seien zwischen mehren Firmentöchtern der Infinus weiterverkauft worden – mit dem Ziel, über diese Scheingeschäfte angebliche Gewinne und Provisionen vorzutäuschen. Die daraus resultierenden liquiden Mittel wurden wiederum in windige Geschäfte gesteckt, um neue Kunden zu werben. Ähnlich zwielichtig seien auch die Investitionen in Immobilien und Unternehmensbeteiligungen erfolgt.

Kübler erklärt: “Es bestehen erhebliche Zweifel, dass die FuBus entsprechend ihrer eigenen Angaben in Emissionsprospekten und Jahresabschlüssen mit Investitionen in den von ihr dargestellten Geschäftsfeldern Renditen erzielen konnte, um die gegenüber den Anlegern garantierten Zinsversprechen zu erfüllen.“ Mindestens seit 2009 habe die FuBus nach seinen Erkenntnissen Gewinne ausgewiesen, die es so nur auf dem Papier gegeben habe.

Gute Chancen, Teil des Geldes zurückzubekommen

Den Geschädigten machte Insolvenzverwalter Kübler gestern Hoffnung, zumindest einen Teil der investierten Summe zurückzuerhalten. Jene 29.000 Anleger, die der FuBus Geld über Ordnerschuldverschreibungen geliehen haben, können nach jetzigem Erkenntnisstand auf eine Quote von etwa 20 Prozent hoffen. Die meisten Privatanleger hatten zwischen 5.000 und 15.000 Euro angelegt.

Ähnliches gelte auch für die beiden Emissionshäuser Prosavus AG und ecoConsort AG, wie deren Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung mitteilte. 11.000 Anleger fordern hier 420 Millionen Euro, mehrheitlich aus Ordnerschuldverschreibungen. Scheffler rechnet mit einer möglichen Quote von 20 bis 30 Prozent.

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Allerdings könnten sich diese Quoten verringern, sollten die Manager tatsächlich wegen Betrugs verurteilt werden. In diesem Fall hätten auch die Anleger mit Nachrangdarlehen Ersatzansprüche, die zum jetzigen Zeitpunkt leer ausgehen würden. Die Rückerstattung eines nachrangigen Darlehens erfolgt im Fall einer Insolvenz erst dann, wenn alle anderen Verbindlichkeiten bedient wurden – aber noch vor Auszahlung des Eigenkapitals.

LVZ