In wenigen Wochen wird Uli Hoeneß, bis vor kurzem noch einflussreicher Präsident des FC Bayern München, eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten müssen. Eingeräumt hat er bisher vor dem Landgericht München II, 28,4 Millionen Euro am Fiskus vorbeigeschmuggelt zu haben. Doch möglicherweise ist das nicht die ganze Wahrheit. Ein Insider sagte dem Hamburger Nachrichtenmagazin Stern, die Summe, mit der Uli Hoeneß auf seinem Bankkonto in der Schweiz gezockt habe, sei weitaus höher als bisher bekannt.

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“Die tatsächlichen Beträge, um die es geht, konnte die Justiz gar nicht nachvollziehen“, erklärte der Informant, der laut Stern anonym bleiben will. „Die meisten Kontounterlagen sind ja erst kurz vor Prozessbeginn vorgelegt worden“. So habe Hoeneß zeitweise bis zu 600 Millionen Schweizer Franken auf seinem Konto bei der Vontobel-Bank geparkt – das entspricht 400 Millionen Euro. Hoeneß bestreitet bisher, ein Vermögen in dieser Höhe besessen zu haben. Im Prozess hatte der Richter den Höchststand mit 150 Millionen Euro beziffert.

Hohe Abflüsse auf andere Schweizer Bankkonten

Auch andere Informationen sind brisant, die der Insider beansprucht. Im Steuerhinterziehungs- Prozess hatte Uli Hoeneß behauptet, dass keine Gelder von seinem Konto auf andere Bankkonten abgeflossen seien. Aber dies entspreche nicht der Wahrheit. „Über die Jahre wurden auch immer wieder Beiträge auf anderen Konten in der Schweiß transferiert, etwa bei der Credit Suisse und Julius Bär“, sagte der Insider. „Das Vermögen schwankte kräftig. Da gab es auch kurzfristig Ausschläge in zweistelliger Millionenhöhe.“

Sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, so könnte dies neuen Ärger für Uli Hoeneß mit sich bringen. Die 70.000 Blatt Unterlagen, die Hoeneß unmittelbar vor Prozessbeginn einreichte, konnten bisher nur oberflächlich ausgewertet werden. Nach wie vor ist unklar, woher der Funktionär das viele Geld für seine Spekulationsgeschäfte hatte – laut Medienberichten soll er im Jahr 2000 20 Millionen Euro vom verstorbenen Adidas-Chef Robert Louis Dreyfus erhalten haben. Waren die Zahlungen an Bedingungen geknüpft?

Im schlimmsten Fall lautet der Verdacht auf Korruption und Geldwäsche, wie der Schweizer Tagesanzeiger berichtet. Schon nach Ende des Strafprozesses hatten Finanzexperten bezweifelt, dass Hoeneß als Privatperson immens hohe Summen mit Devisenspekulation verdient haben könnte, wie er vor Gericht aussagte. Ein Banker erklärte: "Für einen Hoeness ist es in diesem Markt unmöglich, aus 20 Millionen Mark zeitweise 150 Millionen Euro zu machen. Das ist völlig absurd." Das könnte auch Ärger für die Vontobel-Bank bedeuten. Die Schweizer Bankaufsichtsbehörde Finma verweigerte bisher jede Auskunft darüber, ob sie in dieser Sache Ermittlungen aufgenommen hat.

Auch Bayern-Spieler sollen Konten in der Schweiz haben

Bei dem Informanten handelt es sich laut Stern um einen jener Insider, die mit ihrem Wissen das Steuerstrafverfahren gegen Uli Hoeneß im Januar 2013 mit in Gang gebracht haben. Hoeneß zeigte sich daraufhin selbst an, nachdem das Hamburger Magazin über einen damals noch „unbekannten" Bundesliga-Funktionär berichtete, der Steuern hinterzogen haben soll.

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Doch Hoeneß war angeblich nicht der einzige Prominente, der Geld bei der Vontobel-Bank parkte. „Auch Spieler des FC Bayern hatten ein Konto bei der Bank“, so der Insider, „da geht es aber um überschaubare Summen im niedrigen Millionenbereich.“ Ob es sich bei Hoeneß Depot sogar um ein eventuelles Schwarzgeldkonto des FC Bayern München handelt, wurde ebenfalls in Medien spekuliert. Unter Korruptionsverdacht stand der Verein etwa bei der Vergabe der Übertragungsrechte an die Kirch-Gruppe und der Bevorzugung von Adidas gegenüber Nike als Sponsor. Beweise gibt es dafür bisher allerdings nicht.

Stern