Zum Beispiel dieses:

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Aus Mikael Vogels Gedichtband 'Massenhaft Tiere', erschienen im Verlagshaus J. Frank, Berlin 2011

Gedichtwirtschaft

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, kann es wohl nichts fragwürdigeres geben als ein Gedicht. Der Leserkreis von Lyrik ist begrenzt, Gedichtbände selten auf den Bestseller-Listen vertreten, hohe Renditen damit nicht zu erzielen. Zudem gehen Lyriker äußerst verschwenderisch mit ihren Ressourcen um. Links und Rechts vom Blattrand so viel Platz zu lassen, indem man einen Text in Versform setzt – wozu soll das gut sein?

Und doch kann die Wirtschaft etwas von der Lyrik lernen, da sind wir uns sicher. Spätestens, wenn all die Werbeflyer und Geschäftsberichte der Konzerne in unser Postfach flattern, wenn wir uns mit den immer selben Phrasen und Floskeln konfrontiert sehen, wächst der Wunsch, dass damit etwas passiert. „Mit unseren innovativen Produkten sind wir auf einem vielversprechenden Weg“ - echt jetzt? „Wir sind ein junges und dynamisches Unternehmen“ - ach, wirklich? Wirtschaftssprache ist manipulativ, ist ideologisch, nicht selten selbstherrlich. Und hat ihre Wirkung fast völlig eingebüßt. Bei Sätzen auf Ramschniveau hilft weder ein Haircut noch ein Rettungsschirm.

Autor Mikael Vogel© Sandra FischerIm Idealfall kann Lyrik etwas entgegensetzen. Sie kann Begriffe in neue Zusammenhänge betten. Sie kann Floskeln in ihrer Floskelhaftigkeit enttarnen und überraschende Bedeutungen und Einsichten eröffnen. Deshalb hat sich Versicherungsbote entschlossen, Gedichte zu veröffentlichen, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema „Wirtschaft“ auseinandersetzen. Oder sich das Wirtschaftssprech zum Material machen.

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Mikael Vogel ist 1975 geboren und lebt derzeit in Berlin. Im März 2011 erschien sein Gedichtband Massenhaft Tiere im Verlagshaus J. Frank, Berlin.