Wie können Versicherer hierzulande gegen Versicherungsbetrüger vorgehen? Unter anderem hilft ihnen dabei das Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherungswirtschaft.

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Immer mehr Menschen betrügen ihre Versicherung

Eine aktuelle Studie belegt: Der Versicherungsbetrug hat in den letzten drei Jahren sowohl in Europa als auch in Deutschland deutlich zugenommen. Dies berichten mehr als zwei Drittel der befragten Sach- und Haftpflichtversicherer. In Europa verursachen diese Betrugsfälle einen Schaden von acht bis zwölf Milliarden Euro pro Jahr. Auch in Deutschland haben Versicherungsunternehmen grofle finanzielle Schäden hinzunehmen. So liegt die Schadensumme laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei rund vier Milliarden Euro pro Jahr. Mittlerweile gibt es die traurige Faustregel, dass jeder zehnte Schadensfall fingiert oder manipuliert ist, vor allem bei privaten Haftpflicht- und Hausratversicherungen.

Warum steigt die Zahl der Betrugsfälle und wie reagieren die Versicherungen?

Als Grund für die hohe Zahl an Betrugsfällen können unter anderem die veraltete Technik und unzureichende Analysen der Versicherer betrachtet werden. Um den immensen jährlichen Schaden zu reduzieren, wollen viele Versicherer zukünftig zu radikaleren Maßnahmen greifen. Bei größeren Schadensummen werden immer häufiger zwei unabhängige Gutachter eingesetzt, bei kleineren Schäden kommt es immer öfter zu Nachprüfungen. Dies war früher eher selten der Fall. Auch wird vermehrt auf intensive interne Schulungen der Mitarbeiter im Innen- und Auflendienst gesetzt, sodass diese in der Lage sind, Betrugsfälle leichter zu erkennen. Manche Versicherungen setzen sogar Privatdetektive ein, um den Betrügern das Handwerk zu legen. Solche privaten Ermittler sind zum Beispiel hier zu finden. Sie verfügen über das nötige fachliche Know-How und können als Ermittlungsexperten so manches Mal mehr erreichen als herkömmliche Gutachter.

Das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft

Gemäß einer Studie des GDV sieht jeder fünfte Deutsche im Versicherungsbetrug nur ein Kavaliersdelikt. Das ist es aber nicht ñ vor allem auch deshalb, weil schlussendlich die ehrlichen Versicherungsnehmer die Leidtragenden sind. Um Versicherungsbetrug zu bekämpfen und die Risikoprüfung möglichst effizient zu gestalten, hat die deutsche Versicherungswirtschaft das Hinweis- und Informationssystem (HIS) entwickelt. Seit April 2011 ist es fester Bestandteil des Risiko- und Betrugsmanagements deutscher Versicherer. Diese tragen nach klar definierten und festgelegten Kriterien Leistungsfälle in das System ein, die auf einen Betrug hinweisen. Das können atypische Schadenhäufigkeiten oder andere Auffälligkeiten sein.

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Die im HIS hinterlegten Informationen dienen dann anderen Versicherern als Signal, ähnliche Vorgänge genauer zu betrachten. Um den Missbrauch privater Daten von Beginn an auszuschlieflen, entstand das System in enger Zusammenarbeit mit den Datenschutzbehörden. Betroffene werden darüber hinaus bei einer Meldung zu ihrer Person informiert und haben die Möglichkeit, zu dem jeweiligen Fall Stellung zu nehmen. So soll das System helfen, Versicherungsmissbräuche schneller aufzudecken.