Muss der Versicherer Ergo weitere Stellen abbauen? Über diese Frage wird in Versicherungskreisen aktuell spekuliert. Laut Informationen der DPA stehen 600 Stellen im Innendienst auf der Kippe. Grund für einen weiteren Stellenabbau bei der Ergo seien die niedrigen Zinsen. Daraus resultierten 2012 auch ein Minus in der Lebensversicherung und verminderte Beitragseinnahmen. Einhergehend mit den, Mitte vergangenen Jahres vorgestellten, Plänen zur Initiative Qualitäts- und Effizienzsteigerung sollten bereits 1.350 Stellen gestrichen werden (der Versicherungsbote berichtete: "Ergo streicht bis zu 1350 Stellen").

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Beitragseinnahmen der Ergo sinken um 8,4 Prozent

Allein im Bereich Leben gingen die Beitragseinnahmen um 4,1 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zurück. Besonders getroffen hat Ergo dieverminderten Einnahmen bei den Einmalbeiträgen. Hier sanken die Beitragseinnahmen um 11,5 Prozent auf 939 Millionen Euro. Auch das Neugeschäft sank. Im Jahresbeitragsäquivalent war es um 4,4 Prozent niedriger. Insgesamt nahm das Unternehmen 8,4 Prozent weniger Beiträge ein. So sanken die Beitragseinnahmen von 20,3 Milliarden Euro auf 18,6 Milliarden Euro.

Vorstandsvorsitzender Torsten Oletzky sieht die Entwicklung des Versicherers dennoch positiv: „Das Jahr 2012 war für ERGO kein leichtes Jahr, aber wir haben viele Themen gut vorangebracht.“. Medial könnte man feststellen, dass 2012 eigentlich nicht das Jahr der Ergo war. Zu viel Kritik, Skandale und Skandälchen prasselten auf den Düsseldorfer Versicherer und dessen Vorstandsvorsitzenden Oletzky ein. Sex-Reisen, angeblicher Falschberatung, Betrug bei Riester-Versicherungen und der interne Gegenwind auf Grund des geplanten Stellenabbaus schienen fast zum Aus für Oletzky zu führen (der Versicherungsbote berichtete: „Muss Ergo-Chef Oletzky gehen?“). Das der Aufsichtsrat den Vertrag von Oletzky dennoch verlängerte, zeigt Größe und weist den Weg in die Zukunft (der Versicherungsbote berichtete: „Ergo lebt Ergo - Oletzky verlängert“).

Ergo macht 289 Millionen Euro Gewinn

Denn trotz des angeschobenen internen Umbaus der Ergo lag das Konzernergebnis bei 289 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 349 Millionen Euro. Jedoch wurde das Konzernergebnis mit 128 Millionen Euro durch die Rückstellungen für den Umbau der deutschen Vertriebsorganisationen belastet. „Mit dem Ergebnis von 289 Mio. Euro unterm Strich sind wir zufrieden. Denn ohne diesen Sonderaufwand hätten wir unser Ergebnisziel von 400 Mio. Euro erreicht“, so ERGO Finanzvorstand Christoph Jurecka.

Oletzky gibt sich kämpferisch

Für 2013 sieht Oletzky nicht schwarz - ganz im Gegenteil - speziell im Bereich der Altersvorsorge erwartet Ergo einen Aufschwung: „Von der Einführung des neuen Lebensversicherungsprodukts und dem Umbau unserer Vertriebsorganisationen im Jahr 2013 versprechen wir uns wichtige Impulse.“ sagte Oletzky (der Versicherungsbote berichtete: „Erst Allianz, nun Ergo mit neuer Lebensversicherung“) und setzte kämpferisch hinzu „Als Versicherer leben wir vom Vertrauen unserer Kunden. Dieses müssen wir uns täglich neu verdienen. Deshalb stellen wir den Kunden in den Mittelpunkt unseres Handelns und kommunizieren klar, verständlich und transparent auf Augenhöhe mit unseren Kunden“, betont Torsten Oletzky.

Verfahren um den Riester-Skandal wird eingestellt

Für 2013 plant der Versicherer mit einem Konzernergebnis zwischen 350 und 450 Millionen Euro. Das 2013 ein besseres Jahr werden könnte, zeigt die Schließung einer Baustelle. Der Skandal um fehlerhafte Riester-Verträge ist beendet. Das berichtete die Rheinische Post und beruft sich dabei auf Hamburger Justizkreise. So habe die dortige Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen elf frühere und aktuelle Ergo-Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Betrug bei den Riester-Verträgen sowie Beihilfe zum Betrug ohne Auflagen eingestellt. Die Ergo kommt mit einem blauen Auge, viel Negativpublicity und einer Geldbuße von 50.000 Euro davon.

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Zudem muss der Versicherungskonzern eine Million Euro für die korrigierten Riester-Verträge und die damit verbundenen Leistungserhöhungen für die Kunden aufbringen. Grund dafür waren fehlerhafte Antragsformulare bei rund 12.000 Riester-Verträgen aus dem Jahr 2005. Den Kunden waren zu hohe Kosten berechnet worden. Bereits 2011 hatte Ergo den Fehler eingeräumt.