Ob in Kölle oder Mainz, Düsseldorf oder im thüringischen Wasungen: Spätestens seit gestern haben die Narren in den Faschingsmetropolen Hochsaison. Doch zur Fastnacht explodiert auch die Zahl der Alkoholunfälle, warnt das Statistische Bundesamt.

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Kostüme, Chaos und Kamellen: Gestern ging die Faschingshochsaison in die heiße Phase. In vielen Karnevalshochburgen ruht die Arbeit, damit sich die Feierwütigen in phantasievoller Verkleidung unters närrische Volk mischen können. Aber bis spätestens Aschermittwoch ist besondere Vorsicht geboten. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, ist die Faschingszeit auch Unfallzeit.

25 Prozent mehr Unfälle infolge von Trunkenheit

Von der Weiberfastnacht bis Fastnachtsdienstag ist die Zahl der alkoholbedingten Unfälle höher als im Durchschnitt des Jahres. So ereigneten sich in den närrischen sechs Tagen des Jahres 2012 nach vorläufigen Zahlen 805 Unfälle, was 134 Unfällen täglich entspricht. An den anderen Tagen der Monate Januar bis Oktober 2012 wurden hingegen im Schnitt 108 Unfälle pro Tag gezählt. Damit steigt die Zahl der Alkoholunfälle in der Fastnacht um ein Viertel. Mehr Crashs infolge von Trunkenheit wurden in 2012 nur am Neujahrstag (336 Unfälle) und am Vatertag (293 Unfälle) gezählt.

Der Alkoholkonsum bedingt eine weitere negative Tendenz in der Faschingszeit. Denn auch Gewaltdelikte sind in der „fünften Jahreszeit“ keine Seltenheit. Der verstärkte Alkohol- und Drogenkonsum wirkt bei vielen Menschen enthemmend, Pöbeleien, sexuelle Belästigungen und Kneipenschlägereien sind die bittere Folge. In vielen Faschingshochburgen hat die Polizei bereits angekündigt, ihren Einsatz auszuweiten.

Umsichtiges Verhalten hilft, der Gewalt vorzubeugen

Grund genug für Sicherheitsexperten, den Jecken einige Verhaltensregeln mit auf den Weg zum Faschingsumzug zu geben. „Wer eine Fahne bei einem aggressiven Kontrahenten bemerkt, sollte sich nicht auf eine Diskussion einlassen. Denn Betrunkene sind für Argumente meist nicht zugänglich“, warnt Katrin Klaus, Psychologin beim TÜV Rheinland. „Noch schwieriger wird die Situation, wenn hinter dem Streitsuchenden eine Gruppe steht. Dann gilt: Der Klügere gibt nach.“

Ist kein Alkohol im Spiel, gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und körperliche Gewalt durch ein deeskalierendes Gespräch zu verhindern. „Hier ist viel Einfühlungsvermögen gefragt. Wenn der andere Dampf ablassen und sich aussprechen möchte, ist es vielleicht besser zu schweigen oder einfach nur zur Bestätigung mit dem Kopf zu nicken. Vorwürfe oder Urteile, die eine geringe Wertschätzung signalisieren, verschärfen die Situation nur“, erklärt Nicolaus.

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Zudem sei es empfehlenswert, im Streitgespräch auf eine entspannte Körpersprache zu achten und hektische Bewegungen zu meiden. Denn sowohl das Angestarrtwerden nehmen Troublemaker als Provokation wahr als auch zu großes Desinteresse. Außenstehende können zusätzlich zur Deeskalation beitragen. „Manchmal hilft schon ein Wort und die Aufmerksamkeit der Menge, um den Täter von seinem Vorhaben abzubringen. Doch leider wird in der Öffentlichkeit viel zu oft weggeschaut“, so Nicolaus. Wer sich trotz der Ausgelassenheit umsichtig verhält, kann sich ohne Sorge ins Getümmel stürzen.

Statistisches Bundesamt (Destatis) / TÜV Rheinland