Grund sind tausende von fehlerhaften Abrechnungen von Riester-Verträgen der Ergo-Versicherung. Laut Informationen des Handelsblatts ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg derzeit gegen vier ehemalige und aktive Führungskräfte. Weiterhin sind sieben weitere Manager ins Visier der Justiz geraten. Ihnen wird Beihilfe zum Betrug vorgeworfen. Unter ihnen befindet sich Ludger Griese, der bis vor einigen Tagen noch dem Vorstand der Ergo Lebensversicherung AG angehörte. Griese soll, so interne Dokumente der Ergo, bereits seit November 2005 von den fehlerhaften Abrechnungen gewusst haben. Die plötzliche Trennung von Griese soll jedoch nicht im Zusammenhang mit den Ermittlungen geschehen sein.

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Die fehlerhaften Abrechnungen von Riester-Verträgen datieren aus den Jahren 2005 und 2006. Durch einen Druckfehler, so die Ergo, wurden Kunden zu falschen Kosten abgerechnet. Irrtümlicher Weise zahlten Kunden so 25 Prozent mehr als vertraglich festgeschrieben. Der Schaden beläuft sich auf ca. einer Millionen Euro.

Im Oktober 2005 hatte ein Kunde den Fehler bemerkt und den Versicherer informiert. Dieser wurde ordnungsgemäß entschädigt. Weitere Überprüfungen und Entschädigungen blieben jedoch aus. Ein Abteilungsleiter, der diesbezüglich um Stellungnahme gebeten wurde, schrieb in einer internen Mail: „Ich persönlich habe den Eindruck, dass man auch gar nicht so genau alle Fälle wissen will, da eine Korrektur nur händisch mit erheblichem Aufwand möglich ist. “. Unter Mitarbeitern wurde von „üblichen Begleiterscheinungen“ einer Tarifumstellung gesprochen.

Erst unter öffentlichem Druck wurden 2011 alle 12.000 Kunden entschädigt. Ein Viertel der Geschädigten zog Konsequenzen aus der Fehlabrechnung, stornierte Verträge oder wechselt den Anbieter. Durch daraus resultierende, niedrigere Rückkaufs- oder Übertragungswerte entstand ihnen ein weiterer Schaden. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt daher in 3552 Fällen mit dem Verdacht eines „vollendeten Betruges“. Betrug kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

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Die Vorstandsriege zeigte sich einsichtig, stellte sich aber gleichzeitig vor ihre Mitarbeiter. So erklärte Johannes Lörper, Mitglied des Vorstands der Ergo Lebensversicherung AG, dem Handelsblatt: „Einem Betrugsvorwurf treten wir entschieden entgegen. Ein strafrechtlich relevantes Handeln der beschuldigten Personen sehe ich nicht“. Weiterhin sagte er: „Aber selbstkritisch müssen wir sagen: Schon als der Fehler im Herbst 2005 bekannt wurde, hätten wir reagieren müssen.“.