27,5 Mrd. Euro seien es, zwei Drittel jener Ausgaben des gesamten Gesundheitssystems, so die BILD, den die GKV für die Verwaltung aufwenden würde. Die große deutsche Boulevardzeitung legt allerdings keine Quellen offen, wie sie diese Größenordnung ermittelte. Der Dachverband der Gesetzlichen Kassen antwortete prompt: Soviel Geld sei es nicht, erläutert der Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, Florian Lanz: „Tatsache ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2010 für jeden Versicherten laut amtlicher Statistik 136,24 Euro an Verwaltungskosten ausgegeben haben. [...] Insgesamt gaben die gesetzlichen Krankenkassen 2010 laut dieser 9,51 Mrd. Euro bei 70 Millionen Versicherten aus.“ Bei den privaten Krankenversicherern würden die Verwaltungskosten sogar deutlich höher liegen und 391,20 Euro pro Patient betragen.

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Auch der Pauschalvorwurf von zu viel Bürokratie gehe an der Realität vorbei. Nicht immer laufe der Austausch zwischen Arzt und Patient optimal, jeder einzelne Fall sei Ansporn für Verbesserungen. Die Dokumentation sei aber unabdingbar, dabei stünden Patienteninteressen und nicht die Ärzteinteressen an erster Stelle. „Es ist nachvollziehbar, dass Ärzte keine Lust auf Papierkram haben“ so Lanz, „aber wenn ein Arzt einen Behandlungsfehler macht, ist ihm dies meist nur dann nachzuweisen, wenn es eine saubere Dokumentation gibt. Wir wollen das, damit Patienten nach einem Behandlungsfehler schnell geholfen werden kann.“

„Verwaltungskosten sind Vorsorgekosten"

Ein weiteres Argument der Kassenvertreter: Verwaltungskosten würden auch jene Finanzmittel beinhalten, welche zur Erstellung von Qualitätsberichten in Krankenhäusern, Prüfungen von Pflegeheimen oder eine 24-Stunden-Telefonhotline für junge Eltern genutzt werden. „Wenn kranke Menschen im Internet nachsehen können, welches Krankenhaus gut ist oder besorgte Eltern mitten in der Nacht kompetenten Rat erhalten können - dann wäre deutlich, dass Verwaltungskosten auch Versorgungskosten seien“, argumentiert der Sprecher.

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Ein bisschen Polemik hat Lanz dann auch noch parat: „Manche Ärzte beklagen sich darüber, dass sie so viel Zeit mit Bürokram verbringen. Von jedem Handwerker mit einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro erwarten wir eine saubere Abrechnung. Dies können wir auch von Ärzten erwarten, die pro Jahr über 170.000 Euro verdienen.“