„Es ist der Alkohol, der uns im Moment die größten Schwierigkeiten macht“, erklärte Mechthild Dyckmans. So sei Deutschland im internationalen Pro-Kopf-Verbrauch alkoholischer Getränke an vorderster Stelle. Zehn Liter reinen Alkohols konsumiert jeder Bundesbürger im Jahresdurchschnitt, im Bundesgebiet gelten 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig.

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Auch andere Ergebnisse der Untersuchung sind wenig erfreulich. Während die Suchtzahlen bei Jugendlichen insgesamt rückläufig sind, so stieg die Zahl der Extremtrinker gleichzeitig an: „Komasaufen“ erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit unter Minderjährigen. So mussten im Jahr 2009 26.400 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wegen einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Plus von 2,8 Prozent.

Erfolge bei der Suchtprävention

Rückläufig ist die Zahl der jugendlichen Raucher und Cannabis-Konsumenten. 68% der minderjährigen Jugendlichen gaben an, noch nie in ihrem Leben geraucht zu haben, während es im Jahr 2001 nur 41% Nichtraucher waren. Die Zahl der jugendlichen Hanf-Verbraucher hat sich in den letzten Jahren sogar halbiert: von 10% im Jahr 2004 auf aktuell 5%. Hier zeigen die Präventionsmaßnahmen der Bundesregierung Erfolge.

Die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans mahnte jedoch an, sich nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben, sondern die Aufklärungskampagnen noch stärker auf Zielgruppen mit einem problematischen Konsumverhalten auszudehnen. „Es muss unser Ziel sein, noch mehr Jugendliche davon zu überzeugen, dass Suchtmittel und Drogen keine Freizeitbeschäftigung und keine Problemlöser sind“, sagte die Politikerin bei der Vorstellung der Studie. Für bundesweites Aufsehen sorgte beispielsweise das Projekt „Be Smart – Don t Start“, ein Nichtraucherwettbewerb, der sich an Schulklassen der Jahrgangsstufe 6 bis 8 richtete. Gerade pubertierende Jugendliche sind anfällig für die erste Zigarette.

Hoher volkswirtschaftlicher Schaden durch Rauchen

Sehr hoch ist in Deutschland die Zahl der Menschen, die an den direkten Folgen des Rauchens sterben: laut dem Suchtbericht 2011 waren dies im Jahr 2007 immerhin 110.000 Patienten. Die direkten und indirekten Krankheitskosten werden jährlich auf 21 Milliarden Euro geschätzt, wovon circa 40% auf tabakbedingte Krebserkrankungen, ein Drittel auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein Viertel auf Atemwegs-Erkrankungen entfallen. Der Tod von jährlich etwa 3.300 Menschen wird zudem auf die gesundheitsschädlichen Folgen des Passivrauchens zurückgeführt.

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Auch die Angaben zum Medikamentenmissbrauch lassen aufhorchen. Nach aktuellen Schätzungen sind zwischen 1,4 Mio. und 1,9 Mio. Erwachsene medikamentenabhängig. Auch Jugendliche greifen öfters zur Pille: zuletzt erregte eine Pressemitteilung der Techniker-Krankenkasse Aufsehen, wonach immer mehr Kinder und Jugendliche das Medikament Ritalin verschrieben bekommen.