Diese erste Schadenschätzung beruht ausschließlich auf Modellierungen. Wegen des Ausmaßes der Zerstörungen, weiterer möglicher Nachbeben und schwieriger Aufräumarbeiten wird es noch viele Wochen dauern, bis die Schäden erfasst sind und die Schadensmeldungen der japanischen Erstversicherer vorliegen. Da viele Rückversicherungsdeckungen nur einsetzen, wenn für einzelne Kunden sehr hohe Verlustsummen erreicht werden, wird sich bei einzelnen Verträgen erst später herausstellen, ob überhaupt und gegebenenfalls wie stark die Rückversicherer an den Schäden beteiligt sind. Weitere Unsicherheiten ergeben sich infolge der Auswirkungen von Betriebsunterbrechungen bei japanischen Industrieproduzenten auf die internationalen Warenströme und Lieferketten.

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Das Erdbeben hatte am 11. März mit einer Magnitude von 9,0 die Nordostküste der Hauptinsel Honshu erschüttert. In Folge des Bebens entstand ein gewaltiger Tsunami, der ganze Städte verwüstete. „Das Erdbeben war nicht nur das stärkste je in Japan registrierte, es war auch das viertschwerste, das jemals weltweit gemessen wurde“, so Torsten Jeworrek, im Vorstand von Munich Re verantwortlich für die Rückversicherungsaktivitäten. „Das macht das Ausmaß der Schäden und des Leids deutlich. Wir fühlen mit der japanischen Bevölkerung und unseren Kunden vor Ort.“ Munich Re unterhält seit 1912 Geschäftsbeziehungen mit japanischen Versicherungsgesellschaften. „Selbstverständlich stellen wir unseren japanischen Kunden auch weiterhin Kapazität zur Verfügung und unterstützen die Aufarbeitung der Schäden. Auf uns ist gerade in Momenten wie diesen Verlass, und wir stehen in intensivem Kontakt mit unseren Kunden“, so Jeworrek.

Die Schäden von Munich Re resultieren überwiegend aus Deckungen im gewerblichen Geschäft. Die Erdbebenversicherung von Wohngebäuden wird in Japan vom japanischen Erdbeben-Pool getragen, mit Ausnahme der Deckungen bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit. Der Erdbeben-Pool wird vom japanischen Staat zusammen mit den privaten japanischen Versicherungsunternehmen abgesichert. Aufgrund von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen dürfen Risiken aus dem Erdbeben-Pool nicht in den internationalen Rückversicherungsmarkt transferiert werden. Die Unfälle im Atomkraftwerk Fukushima werden die private Versicherungswirtschaft nicht signifikant treffen.

Das 1. Quartal 2011 war für Munich Re bisher schon von hohen Schäden durch das Erdbeben in Neuseeland, die Überschwemmungen bei Brisbane und den Zyklon Yasi in Australien geprägt. Zusammen mit den Schäden aus dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan übersteigt die Großschadenslast aus Naturkatastrophen 2,5 Mrd. € nach Retrozession und vor Steuern und damit das für diesen Zeitraum erwartbare Ausmaß bereits bei weitem. Daher ist das Gewinnziel für 2011 von rund 2,4 Mrd. € nicht mehr erreichbar.