Nicht nur die Angst um Einbußen in der künftigen Rente geht um. Hinzu kommt, dass 20 Prozent aller Berufstätigen aufgrund der Wirtschaftskrise bereits Kürzungen oder Kündigungen von privaten Vorsorgeverträgen vorgenommen haben.
Generell sind sich die Bundesbürger eher unsicher über die Art der Vorsorge. In Ostdeutschland fragt sich mit 43 Prozent zudem bereits fast jeder zweite Berufstätige, "welche private Anlageform überhaupt noch Sinn macht."

Anhaltende Schockstarre

Trotz zwischenzeitlicher Wirtschaftsbelebung geben heute mehr als zwei Drittel der Berufstätigen in Deutschland (68 Prozent) an, dass sich ihre Einstellung zur privaten Altersvorsorge wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise geändert hat. Neben einer gewachsenen Skepsis zur Sicherheit der meisten Vorsorgeformen kommt 2010 offenkundig die Unsicherheit bei Anlageentscheidungen hinzu:
Von den Berufstätigen, die eigentlich ihre Absicht zum Ausbau der Vorsorge in den kommenden Jahren erklären, haben exakt ein Viertel bestehende Vorsorgeverträge aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise gekündigt oder gekürzt.
Am häufigsten sind hiervon private Renten- und Lebensversicherungen sowie privat abgeschlossene Riester-Verträge betroffen. Insgesamt geben die Berufstätigen in Deutschland auch monatlich weniger für ihre Altersvorsorge aus, als noch im vergangenen Jahr. Bei den unter 50-Jährigen beträgt das Minus im Schnitt rund 12 Prozent.

Schere zwischen Ost- und Westdeutschland

Im zwanzigsten Jahr der Wiedervereinigung geben die Studienergebnisse für Ostdeutschland zu denken. So haben hier die Berufstätigen ihre Vorsorgeaufwendungen um 25 Prozent gegenüber 2009 gekappt, auf nunmehr im Schnitt 123 Euro monatlich. Damit werden in Westdeutschland mit 215 Euro heute exakt drei Viertel oder fast 100 Euro monatlich mehr in die private Altersvorsorge investiert.

Spiegelbildlich erwarten im Osten jetzt auch nur noch 14 Prozent der Berufstätigen - jeder siebte also - im Alter keine finanziellen Sorgen zu haben. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 20 Prozent.
Dagegen ist in Westdeutschland der Kreis der Berufstätigen mit dieser Erwartung von 26 Prozent auf nunmehr 30 Prozent gewachsen. Allerdings geht unter allen Berufstätigen in West- und Ostdeutschland die Zahl derer zurück, die ihre bisherige Altersvorsorge dazu als heute schon ausreichend ansehen.

Dr. Michael Meyer, Retailvorstand der "Postbank" weiß, dass der Zinseszinseffekt Versäumnisse beim Ansparen im Zeitverlauf bis zum Ruhestand potenziere. "Im Osten Deutschlands ist deshalb spätestens jetzt dringender Handlungsbedarf gegeben."

Bedeutung der Riesterrente sinkt

Insbesondere in den Bevölkerungsgruppen, für die sich eine Riesterförderung besonders empfiehlt, sind starke Rückgänge bei Ansehen und Bedeutung feststellbar. Bewerteten junge Berufstätige unter 30 Jahren die privat abgeschlossene Riesterrente vor zwei Jahren noch zu 45 Prozent als "ideale Form der Alterssicherung", fiel dieser Wert 2009 auf 37 Prozent und in diesem Jahr nochmals auf 26 Prozent. Einen Riestervertrag privat abzuschließen, planten 2008 von den jungen Berufstätigen noch 23 Prozent, 2009 waren es 13 Prozent und heute sind es nur noch 9 Prozent.

Eigenheim besonders beliebt

Keine andere private Vorsorgeform ist in Deutschland so angesehen wie der Besitz eines eigenen Hauses oder einer eigenen Wohnung.
Zwei Drittel aller Berufstätigen sehen hierin heute eine "ideale Form der Alterssicherung". Und deutlich zeigt sich das auch in den Plänen derer, die ihre private Altersvorsorge ausbauen wollen: Mit 23 Prozent hat jeder vierte dieser Berufstätigen vor, ein Eigenheim zu erwerben. Auch unter den jungen Berufstätigen bis 29 Jahren steht dieses Ziel vor allen anderen.

Im Gegensatz zu dieser breiten Nachfrage steht aber die Bekanntheit der staatlichen Eigenheimförderung: 42 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland haben noch nie von Wohn-Riester gehört. Michael Meyer: "Wir wissen aus unserer Studie aber, dass für 58 Prozent der Berufstätigen eine staatliche Förderung Anreiz ist, ein Eigenheim zu bauen oder zu kaufen. Hier kann und sollte daher mehr passieren. Auch ist eine Ausweitung der Wohn-Riester-Förderung auf Ausbauten oder altersgerechte Umbauten bestehender Immobilien sinnvoll."

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